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25.03.2003

17:56 Uhr

Die Börsenkolumne aus New York

Wer soll den Krieg bezahlen?

VonHeike Buchter

Präsident Bush hat seine erste Rechnung für den Irakkrieg vorgelegt. Rund 63 Milliarden Dollar veranschlagt das Pentagon für die militärische Auseinandersetzung, für Verpflegung der Truppen, Munition und Ausrüstung.

Etwa acht Milliarden sollen als erste Hilfe nach dem Ende des Krieges den Irak stabilisieren und noch einmal 4 Milliarden sollen für den Kampf gegen Terroristen in den USA selbst aufgewendet werden.

Wer soll das bezahlen? - Der amerikanische Steuerzahler.

Aber zunächst wird der Irakkrieg auf Pump geführt. Die Kriegskasse wird das Defizit der USA weiter erhöhen - auf rund 400 Milliarden Dollar im laufenden Fiskaljahr 2003. Im Jahr 2001, bei Bushs Amtsantritt, verzeichnete die Haushaltskasse noch ein Plus. Schadet dieses explodierende Loch in der Staatskasse der Wirtschaft? Darüber gehen die Meinungen auseinander. "Im Vergleich zur Größe der US-Wirtschaft sind die Kriegskosten nicht der Punkt", meint David Wyss, Chef-Ökonom des Finanzinformationskonzerns Standard & Poor?s. "Was der prüsident veranschlagt entspricht einem Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Das sollte uns nicht allzu sehr weh tun."

In der Tat: Der Kongress dürfte das Budget für den Krieg widerspruchslos genehmigen. Streit gibt es dagegen über das geplante Steuersenkungspaket in Höhe von 726 Milliarden Dollar. Denn trotz der Kosten für den Krieg und für den Wiederaufbau des Irak will der Präsident sein Milliarden-Steuergeschenk um keinen Dollar kürzen. Denn an der Heimatfront braucht Bush dringend Erfolge auf dem schwachen Arbeitsmarkt.

Sorgen bereitet den Kongressmitgliedern, dass noch niemand sagen kann, welche Nachkriegskosten auf die USA zukommen. Ein Plan der Regierung geht davon aus, die irakischen Ölquellen dafür anzuzapfen. Doch Experten halten das für eine gewagte Kalkulation. Denn um die irakischen Ölquellen wieder kräftig sprudeln zu lassen, müssten 30 bis 40 Milliarden Dollar investiert werden. Und diese Summe gilt nur, sollten keine weiteren Ölfelder in Brand gesetzt werden.

Trefflich streiten sich die Volkswirtschaftler nun, ob der Krieg für die US-Wirtschaft eine Aufbauspritze bedeutet oder eher eine lähmende Wirkung hat. Gelingt es, den Waffengang rasch zu beenden, könnte das Wachstum im zweiten Halbjahr stimulieren, im besten Fall sogar ein zusätzliches Plus von 52 Milliarden erzeugen. David Wyss warnt vor zuviel Optimismus und meint, die USA könnten durchaus in eine zweite Rezession rutschen. "Wenn der Ölpreis steigt, Terroranschläge das Verbrauchervertrauen belasten und die Menschen zu sehr über den Krieg nachdenken und weniger in die Wirtschaft investieren, dann ist das gefährlich."

Der Preis des Krieges für die USA steht noch nicht fest. Die 75 Milliarden Dollar, die Präsident Bush nun genehmigt haben will, sie sind nicht mehr als eine Anzahlung.

© Wall Street Correspondents, Inc.

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