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02.06.2000

15:39 Uhr

Noch vor wenigen Monaten gab es keinen Zweifel, dass in und mit den Firmen rund um die Bucht von San Francisco schnelles Geld in Aktiendepots zu machen ist. Das hat sich zwar seit Beginn dieses Jahres geändert, als die Technologiewerte in mehreren Wellen einbrachen und sich dann wieder erholten. Doch das Platzen der Spekulationsblase wird von vielen Gründern und Risikokapitalgebern mit Erleichterung aufgenommen. Nun ist die Zeit, in der nach einem "digitalen Goldrausch" die echten Nuggets vom Katzengold getrennt werden können.

Seit der Kommerzialisierung des Internets Mitte der 90er-Jahre sind im Silicon Valley die Dot-Com-Firmen wie Pilze aus dem Boden geschossen. Nach Recherchen des Autors David Kaplan für sein Buch "The Silicon Boys and their Valley of Dreams" hat das legendäre Tal im vergangenen Jahr jeden Tag im Durchschnitt 64 neue Dollarmillionäre und zwei neue Firmen hervorgebracht. Astronomische Immobilienpreise und die Abwanderung normal verdienender Sozialberufe wie Krankenschwestern, Feuerwehrleute oder Lehrer waren die Kehrseite der Medaille.

Wirtschaftlich gründet die neue Erfolgswelle des Silicon Valley auf der Erfahrung und dem Vermögen früherer Gründer. Der Rüstungswettlauf des Kalten Krieges und das Weltraumabenteuer Mondlandung haben Pionierfirmen wie Hewlett-Packard in Palo Alto oder die Chiphersteller Fairchild, Intel, National Semiconductor und später Advanced Micros Devices (AMD) in Santa Clara und Sunnyvale ihre Fertigungsstätten aufbauen lassen.

Ende der 70er-Jahre starteten die jungen Wilden Steve Jobs und Steve Wozniak mit der Gründung von Apple Computer das Zeitalter des Personalcomputers, dessen Nachfrage nach Mikroprozessoren den heutigen Marktführer unter den Halbleiterherstellern, Intel, auf seinem Spitzenplatz katapultierte. Intels Softwarepartner Microsoft - beide profitierten von den Aufträgen von IBM für dessen PC - ist in der Nähe von Seattle zu Hause, hat aber im vergangenen Jahr im Silicon Valley eine Niederlassung aufgebaut.

Beide Gründungswellen erlebten ihre zyklischen Krisen mit starken Einbrüchen in den Aktienwerten. In der letzten Zeit gab es wieder eine derartige Krise. Ist der Goldrausch damit vorbei? Jetzt gilt es, sorgfältiger auszuwählen. Auch E-Commerce-Pioniere wie Ariba oder Commerce One leiden, obwohl sie solide Technologie in ihrem Produktportfolio haben. Internet-Pioniere wie Yahoo, Cisco oder Sun Microsystem bleiben als "neue Blue Chips" feste Größen im Börsengeschehen. Und Herausforderer und Spezialisten wie die Hard- und Software-Klempner Juniper, Inktomi oder Tibco gelten als vielversprechende Internet-Anlagen, die trotz kurzfristiger Schwankungen gut in eine langfristige Aktienstrategie passen.

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