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08.01.2002

19:15 Uhr

Die CSU will in der Frage der Kanzlerkandidatur endlich Klarheit

Analyse: Kreuther Weckruf für die schweigende CDU

VonDaniel Goffart

Edmund Stoiber will, Angela Merkel will und die CSU will - ihren Edmund Stoiber natürlich. So weit, so gut. Was aber in Gottes Namen will eigentlich die CDU? Ihre Angela Merkel - natürlich? Gute Frage.

Roland Koch, der trickreiche Hoffnungsträger in Lauerstellung, befindet sich in Urlaub, sein Ministerpräsidentenkollege Erwin Teufel schweigt und auch die Landesfürsten Peter Müller, Bernhard Vogel und Kurt Biedenkopf üben sich in vornehmer Zurückhaltung. Lediglich der Nordrhein-Westfale Jürgen Rüttgers hat einmal vorsichtig seinen Kopf aus der Deckung gehoben und kurz in Richtung Merkel geblinzelt. Das war aber auch schon alles, sieht man von den wenig entscheidenden Zwischenrufen oder Liebesschwüren aus der zweiten Reihe der CDU einmal ab.

Zwar haben die vorsichtigen Landesfürsten in Hintergrundgesprächen gelegentlich ihre Präferenz für den kantigen Bayern durchblicken lassen. Offiziell aber hat sich noch niemand aus dem erlauchten Kreis zu seinem Favoriten bekannt. Zum einen will man, wenn nachher doch alles anders kommt als gedacht, lieber nicht auf der falschen Seite gestanden haben. Zum anderen war fest verabredet, dass die beiden Protagonisten Stoiber und Merkel das Duell unter sich ausmachen und keinerlei Wert auf öffentliche Begleitmusik legen.

Inzwischen hat sich die Lage allerdings dramatisch verändert. Auf dem Höhepunkt des Kandidatenrennens wartet die CSU nun mit wachsender Ungeduld und steigender Unsicherheit auf das ersehnte Signal aus der großen Schwesterpartei. Die im Kreuther Hochalpental versammelten Bayern müssen ihre zögerlichen Gesinnungsfreunde aus den tiefer gelegenen Landesteilen nun sogar ganz offiziell um "Unterstützung und Zustimmung" für Edmund Stoiber bitten. Man könnte diese höfliche Aufforderung auch anders übersetzen: "Himmelsakra, aufwachen, ihr Nordlichter, es is? soweit! Wenn ihr den Edi wollt, dann sperrt jetzt die Goschen auf und räuspert euch! Sonst glaubt der Edi am Ende, ihr mögt ihn nicht oder würdet ihn hängen lassen im Wahlkampf und dann kann er?s auch ganz lassen und gleich die Merkel vorschicken."

Notgedrungen deutlich wird die CSU nicht zuletzt mit dem Hinweis, der Kanzlerkandidat Stoiber sei ein "Angebot" an die CDU. Wer etwas anbietet, erwartet auch eine Annahme. Anderenfalls - und das sollten die schweigsamen Stoiber-Fans in der CDU allmählich erkennen - kommt der angestrebte Vertrag nicht zu Stande und das Angebot verliert seine Gültigkeit. Mit halber Rückendeckung, das hat Stoiber klar erkennen lassen, zieht er nicht in die Schlacht gegen Schröder. Der Bayer will, aber im Gegensatz zu Merkel will er nicht um jeden Preis.

Über das "Angebot Stoiber" hat jetzt alleine die CDU und nicht die gemeinsame CDU/CSU-Bundestagsfraktion zu befinden. Ort der Entscheidung ist die CDU-Klausurtagung am kommenden Freitag und Samstag in Magdeburg. Spätestens dort müssen die versammelten CDU-Spitzen endlich aus der Deckung kommen und sich erklären. Darauf hat übrigens auch Angela Merkel, die von ihren "Parteifreunden" oft genug im Unklaren gelassen worden ist, einen Anspruch.

Edmund Stoiber wird ebenfalls ganz genau hinhören. Bleibt ein "Magdeburger Signal" zu seinen Gunsten aus, kann er sich seiner Truppen in der CDU nicht wirklich sicher sein. Wer in Magdeburg nicht für ihn kämpft, kämpft nimmermehr. In dieser Lage könnte Stoiber versucht sein, den 70-prozentigen Treueschwur der Bundestagsfraktion erst gar nicht abzuwarten. Stoiber braucht die Union zu 100 Prozent, sonst kann er einpacken.

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