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06.07.2000

17:14 Uhr

Die deutsche Volkswirtschaft könnte durch die WM 2006 bis zu 5 Mrd. Mark einnehmen

DFB-Gutachten prognostiziert Milliardengewinn nach WM-Zuschlag

Nicht nur Franz Beckenbauer gilt durch die Fifa-Entscheidung als Gewinner. Auch die deutsche Volkswirtschaft soll kräftig profitieren.

Deutschland feiert

Deutschland feiert

adn PADERBORN. Die Austragung der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland kann der Volkswirtschaft einen finanziellen Gewinn in Höhe von bis zu fünf Mrd. Mark bringen. Das geht aus einem vom Deutschen Fußball-Bund (DFB) in Auftrag gegebenen Gutachten hervor, dass von der Universität Paderborn erstellt wurde. "Bei der richtigen Auswahl der Spielorte und einer perfekten Organisation wird die WM 2006 ohne Zweifel ein großer finanzieller Erfolg", sagte der Wirtschaftswissenschaftler Bernd Rahmann.

Mit der richtigen Auswahl der Stadien steht und fällt nach Ansicht Rahmanns der finanzielle Erfolg der Fußball-WM. "Entscheidend ist dabei die Nach-Event-Phase", betonte er. Unabhängig vom Standort werde die Wirtschaft im Vorfeld fast immer profitieren. Bauwirtschaft und technische Ausrüstungsunternehmen würden mit den Stadienneubauten oder-renovierungen entsprechend verdienen. "Die Frage des Stadienunterhalts, der laufenden Kosten nach der WM, ist aber am wichtigsten", mahnte Rahmann. Bei den 16 Interessenten, die sich offiziell beim DFB beworben haben, sei diese Frage geklärt. In fast allen Städten seien die Stadien für Sport- oder andere Großereignisse auch nach 2006 entsprechend ausgelastet.

Privatwirtschaft erwartet kräftige Impulse

Von dem zu erwartenden Fußball-WM-Boom wird nach Ansicht Rahmanns aber nicht nur die Baubranche profitieren. Vielmehr erwartet der Wirtschaftswissenschaftler auch für die unterschiedlichsten privatwirtschaftlichen Bereiche "kräftige Impulse". In der Tourismusbranche würden sich diese vor allem in der Gastronomie und im Hotelgewerbe niederschlagen. Darüber hinaus werde die Industrie in der Fanartikel- und Unterhaltungselektronik, in der Medien- und Werbebranche sowie im Verkehrsbereich überdurchschnittlich zulegen.

Rahmann warnte zugleich aber vor zu euphorischen Erwartungen. Mangelnde Organisation und Störungen im Turnierablauf wie Zuschauerausschreitungen könnten langfristig eher negative als positive Auswirkungen nach sich ziehen. Ausländische Investoren könnten durch eine Chaos-WM abgeschreckt und deutsche Exportchancen gemindert werden. Auch die Tourismusbranche wäre hiervon betroffen.

Der Mega-Event Fußball-WM habe aber auch eine Fülle positiver soziologischer und politischer Ausstrahlungseffekte. Trotz seines ursprünglich unpolitischen Charakters unterstütze Fußball sowohl innen- als auch außenpolitische Funktionen der Gesellschaft. "König Fußball" leiste Beiträge zur nationalen und internationalen Verständigung, zur politischen Entspannung sowie zur Friedenssicherung durch den Abbau von Vorurteilen. "Im Rahmen der europäischen Integrationsprozesse und der Zusammenführung von Ost- und Westdeutschland ist dies von großer Relevanz", betonte Rahmann.

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