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23.01.2002

19:00 Uhr

Die Durststrecke für Anleger ist noch nicht beendet.

Zitterpartie für Ericsson und Nokia

VonHelmut Steuer

Für Anleger, die auf Telekommunikationswerte gesetzt haben, ist die laufende Woche entscheidend. Nach Motorola legt am Donnerstag Nokia, am Freitag dann Ericsson seine Jahreszahlen vor. Wichtiger noch wird aber der Ausblick auf 2002 sein.

STOCKHOLM. Ein Rekord liegt in der Luft. Ein trauriger zwar, doch an den Finanzmärkten ist man pragmatisch, denkt, schlechter kann es nicht mehr gehen. Schwedens größter Konzern, der Telekommunikationsriese Ericsson, wird am Freitag den höchsten Verlust in der Unternehmensgeschichte präsentieren.

Nach einer Umfrage in Stockholm rechnen die meisten Analysten mit einem Ganzjahresverlust vor Steuern von rund 29,8 Mrd. Kronen (3,2 Mrd. Euro). 2000 hatte der Telekommunikationsriese noch einen Vorsteuergewinn von etwa 28 Mrd. Kronen ausgewiesen. Die von der Wirtschaftsnachrichtenagentur Direkt befragten 28 Analysten gehen auch bei der Umsatzentwicklung von einem Rückgang aus: Statt 273,6 Mrd. Kronen im Jahr 2000 schätzen sie für das vergangene Jahr die Einnahmen auf 228 Mrd. Kronen.

Der Kurs der Ericsson-Aktie ist seit Anfang des Jahres um 15 % gesunken, nachdem er 2001 bereits um 45 % gefallen war. "Mittelfristig glauben wir, dass sich Ericsson dank seiner starken Stellung bei Mobilfunksystemen positiv entwickeln kann", versucht Telekommunikationsanalyst Håkan Wranne von Fischer Partners in Stockholm den Investoren ein wenig Mut zu machen. Sein Unternehmen hält an der Kaufempfehlung für Ericsson fest und hat das Kursziel für die kommenden 12 Monate auf 75 Kronen festgelegt. Am Mittwoch Nachmittag notierte die Ericsson-Aktie in Stockholm bei knapp 47 Kronen.

Ericsson hatte sich im vergangenen Jahr von seiner Handy-Sparte getrennt. Die bis dahin verlustbringenden Mobiltelefone werden seitdem in einem Joint Venture mit der japanischen Sony gemeinsam entwickelt und produziert. Von der Zusammenarbeit versprechen sich die Schweden deutliche Kosteneinsparungen und ein attraktiveres Produktsortiment. Seit der Auslagerung der Handy-Sparte ist der Stockholmer Konzern nun noch stärker von den Mobilfunksystemen abhängig, bei denen er unangefochten die weltweite Nummer Eins ist. Parallel zu der internen Umstrukturierung und Neuausrichtung, die auch die Streichung von mehreren Tausend Arbeitsplätzen umfasste, geriet der Konzern in den Strudel der globalen Wirtschaftsflaute und der verhaltenen Investitionsbereitschaft großer Telekom-Konzerne nach den Milliarden teuren UMTS-Auktionen.

"Natürlich ist Ericsson direkt davon betroffen, wenn Konzerne ihren UMTS-Start verzögern", erklärt Johan Strandberg, Telekom-Analyst der Deutsche Bank Securities in Stockholm. Er weist aber gleichzeitig darauf hin, dass der UMTS-Anteil bei Ericsson weniger als 10 % am gesamten Umsatz in der System-Sparte ausmacht. Beunruhigt zeigt er sich dagegen über die Verluste in Lateinamerika. "Wir rechnen damit, dass Ericsson rund 2 Mrd.Kronen für diese Region reservieren muss, womit der Verlust im vierten Quartal 2 001 auf rund 6 Mrd. Kronen anwachsen könnte". Deutsche Bank Securities hält an ihrer Kaufempfehlung für Ericsson fest, Kursziel sind 65 Kronen.

Noch interessanter als die Jahreszahlen von Ericsson und Nokia sind die Einschätzungen beider Unternehmen über die Entwicklung des Mobilfunkgeschäfts im laufenden Jahr. Einig sind sich die Experten, dass die Zeiten zweistelliger Zuwachsraten bei Handys zunächst einmal vorbei sind. Davon ist Nokia aus Finnland mit einem Weltmarktanteil von rund 35 % besonders betroffen. Für dieses Jahr hatte Nokia im November den weltweiten Handymarkt auf 420 bis 440 Mill. verkaufter Einheiten beziffert .

"Wird die Prognose revidiert?", fragt Wranne. "Das Risiko einer Enttäuschung in der Handy-Sparte schließe ich nicht aus". Fischer Partners hat das Kursziel für die kommenden 12 Monate auf 210 Kronen (22,7 Euro) festgesetzt und das Papier auf "under perform" eingestuft.

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