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02.03.2004

08:28 Uhr

Die Fans und der Trainer wollte die Hoffnung nicht aufgeben

Die Russen wollen Rom nicht retten

VonPaul Kreiner (Handelsblatt)

Der Ölkonzern Nafta verzichtet auf die Übernahme von AS Rom - die Bilanzfälschungen im italienischen Fußball schrecken ihn ab.

ROM. Schluss. Basta. Njet. Der Verkauf des italienischen Fußballklubs AS Rom an den russischen Öl- und Finanzkonzern Nafta ist geplatzt. Die Russen zogen sich zurück, nachdem die italienische Finanzpolizei am Donnerstag auch den AS Rom in ihre Großrazzia gegen 53 Profivereine einbezogen hatte. Der Verdacht: Bilanzfälschung. "Der italienische Fußball ermuntert derzeit nicht gerade zu großen Investitionen", sagte Nafta-Sprecher Michail Smirnoff.

Die Absage aus Moskau traf nach vierwöchigen Verhandlungen in Rom ein. Dabei "hatten wir schon den Füller zum Unterschreiben der Verträge in der Hand", sagt der Vertrauensanwalt des Nafta-Konzerns, Salvatore Trifirò. Mindestens 400 Millionen Euro hätten die Russen bezahlt - davon 250 Millionen zur Tilgung der Vereinsschulden, 100 Millionen als eigentlichen Kaufpreis an Mehrheitseigner Franco Sensi, einen Olhändler, den Rest an die Mannschaft. Doch die Ermittlungen der Finanzpolizei haben laut Trifirò bei den Russen die Angst vor einem "Wirbelsturm" an derzeit noch unübersehbaren Folgelasten hervorgerufen.

Fans, Trainer und einige Medien indes wollten am Montag die Hoffnung auf eine Rettung Roms durch die Russen noch nicht aufgeben. Die Absage, so spekulieren sie, könnte ja auch ein taktisches Manöver gewesen sein, um den Kaufpreis noch einmal zu drücken. Doch Anwalt Trifirò schließt jede Neuaufnahme der Verhandlungen "definitiv" aus. Mit einer Mannschaft, die auf Grund ihrer Verschuldung womöglich in der kommenden Saison nicht an einem internationalen Wettbewerb teilnehmen darf, scheint Moskau keine Freude gehabt zu haben.

Die Frist zur Schuldenregulierung läuft in vier Wochen aus. Außerdem sind die Russen wohl nachdenklich geworden, als sich herausstellte, dass die Bilanzen des Clubs von derselben Firma geprüft worden waren, die dem inzwischen insolventen Konzern Parmalat einst die Unbedenklichkeit bescheinigt hatte. Dem AS Rom hat diese Firma das Zertifikat allerdings verweigert.

Sensi hat die Absage aus Moskau zunächst nicht kommentiert. Dafür drücken andere ihr Bedauern darüber aus, dass von den Russen kein Geld kommen wird. Schließlich sind die Vereine der Serie A und B mit nahezu zwei Milliarden Euro verschuldet. "Russen oder Staatenlose", meint etwa der frühere Ministerpräsident Giulio Andreotti, "völlig egal. Hauptsache, sie befreien uns von diesen Geldproblemen."

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