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16.01.2004

11:22 Uhr

Die Frankfurt Lions sind in der Deutschen Eishockey-Liga Tabellenführer und fallen neuerdings durch Disziplin auf

Das Ende der schlagenden Verbindung

VonTom Hoffmann (Handelsblatt)

Selbstbewusst, aber nicht großspurig - so beschreibt Trainer Rich Chernomaz den Gemütszustand der Frankfurt Lions. So entspannt wie heute ist der Club aus der Deutschen Eishockey-Liga selten zu einem Gastspiel beim EHC Eisbären in Berlin angetreten: man kommt als Tabellenführer.

FRANKFURT/MAIN. Der Aufschwung der Mannschaft vom Main überrascht viele. Denn eigentlich waren sich die Branchenkenner im Sommer einig, dass die Lions auch in dieser Saison wieder gegen den Abstieg spielen und mit der Vergabe der Play-off-Plätze nichts zu tun haben würden. Ein folgenschwerer Irrtum, wie sich bald herausstellte, der aber Chernomaz anfangs die Arbeit ungemein erleichterte. "Egal, gegen welches Team wir antraten - fast alle unterschätzten uns und haben eine Lektion erteilt bekommen", erzählt er. Nur gegen die Eisbären, den Tabellenzweiten, haben die Lions in dieser Saison noch keinen Punkt geholt.

Eine Hand voll Übungsleiter haben die Lions in ihrem Niedergang seit 2001 verschlissen - ehe der neue Chef diesen Trend gestoppt und sogar umgekehrt hat. Derzeit verhandelt Chernomaz über eine Verlängerung seiner zunächst bis zum Sommer befristeten Anstellung. Mit guten Argumenten. Denn der "Axt von Manitoba", wie sein Spitzname in Anspielung auf seine Heimat in Kanada und die von ihm bevorzugte Kompromisslosigkeit auf dem Eis lautet, ist es gelungen, den Lions "Siegermentalität einzuimpfen". Nie in seiner Karriere habe er systematischer gearbeitet, erzählt Patrick Lebeau. Der 33 Jahre alte Kanadier ist mitverantwortlich, dass die neuerdings disziplinierten Frankfurter, die ihren Ruf als schlagende Verbindung fürs erste los sind, in ungeahnte Höhen aufgestiegen sind.

19 Tore und 34 Vorlagen sind dem nur 1,78 Meter kleinen Spieler bislang gelungen. Lebeaus Stärken sind seine Technik, sein Auge für die Situation und sein Spielverständnis. Er ziehe, behauptet Chernomaz, die Hartgummischeibe magisch an: "Der sucht nicht den Puck, sondern der Puck sucht ihn." 1996 schoss Lebeau die Düsseldorfer EG zur Meisterschaft. Einen ähnlichen Coup hat er nun auch in Frankfurt im Sinn: "Wir haben nicht nur das Zeug für die Endrunde - wenn alle gesund bleiben, können wir sogar den Titel holen."

Der Trainer berichtet, dass "wir dafür gesorgt haben, dass sich alle Spieler wieder mit Leidenschaft und Stolz für die Lions einsetzen". Das sollen auch die Eisbären heute zu spüren bekommen.

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