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28.01.2002

19:00 Uhr

Die Grünen betreut der Goldene Hirsch

Joschka Fischer ist der Traum der Kreativen

VonSTEFFI AUGTER (KATJA WILKE)

Marcel Joko hat ein leichtes Spiel. "Joschka Fischer als Spitzenkandidat ist ein Geschenk", sagt der Geschäftsführer der Hamburger Werbeagentur "Zum goldenen Hirschen", die den Wahlkampf der Grünen betreut.

HAMBURG. Joko weiß, wovon er spricht. Unter seinen Kunden aus der Politik sind auch härtere Nüsse - etwa das Bundesumweltministerium mit Jürgen Trittin an der Spitze.

Werbung haben die Grünen bitter nötig: In Umfragen kommt die Partei auf rund fünf Prozent der Stimmen. Hoffnungsträger Fischer muss es richten. Allerdings soll sich nicht alles um ihn drehen. "Wir wollen die Kampagne zwar personalisieren", sagt Grünen-Wahlkampfmanager Rudi Hoogvliet, "nicht aber Politik durch Köpfe ersetzen." Grüne Wahlkampfthemen wie Verbraucherschutz, Ökologie, Außenpolitik, Bildung und Familie werden jedoch schwieriger ins Bild zu setzen sein als der Spitzenkandidat.

Die aktuelle Kampagne soll sich deutlich von der 98er unterscheiden. Ging es damals darum, Seriosität zu vermitteln, so setzt die Partei jetzt auf ihre ursprünglichen Stärken: "Wir wollen eine pfiffige, freche Form des Wahlkampfes. Diese Seite der Grünen drohte in Vergessenheit zu geraten", meint Hoogvliet und hofft, dass durch Jungwähler die Zahl der Stimmen auf 6 bis 7 % steigt. Ablehnung bei den älteren Wählern fürchtet er nicht. Im Gegenteil: "Die erwarten so etwas von uns."

Die Kampagne steht bereits in groben Zügen. Bei der Gestaltung der Plakate und TV-Spots lässt Hoogvliet der Agentur Spielraum: "Wir haben Vertrauen und lassen uns gern überraschen. Die Chemie zwischen uns stimmt einfach." Solange es mit den inhaltlichen Beschlüssen des Bundesvorstandes vereinbar sei, könne die Agentur liefern, was sie wolle. Um möglichst viel vom Geist der Grünen aufzuschnappen, wollen die Werbeprofis mehrtägige "Kreativtrips" veranstalten - etwa zu den Sitzungen grüner Kreisverbände. Für den Wahlkampf hat die 55 Mitarbeiter starke Agentur zunächst zehn Kreative abgestellt, im Mai soll aufgestockt werden. Sie beraten die Partei auch bei der Inszenierung von Parteitagen und anderen Veranstaltungen.

Neben klassischen Medien wollen die Berliner auch Internet und Handy für die Wahlwerbung nutzen. "Wichtig ist, dass wir schnell auf Handlungen oder Aussagen der anderen Parteien antworten können", meint Agenturchef Loko. Hoogvliet wünscht sich einen offensiven Umgang mit dem politischen Gegner. Angriffslustig, aber nicht unnötig aggressiv.

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