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21.01.2003

07:00 Uhr

Die grundlegende Story ist intakt, das Happy End aber noch fern

SGL Carbon bleibt ein Hoffnungswert

VonFrank Wiebe

Erste Schritte aus dem tiefen Tal: SGL Carbon ist im begonnenen Jahr 2003 mit einem Zuwachs von mehr als 20 % eine der besten deutschen Aktien. Das ist freilich nur ein relativer Erfolg. Im abgelaufenen Jahr hat sie mehr als 60 % verloren. Mit einem Kurs von rund zehn Euro ist sie weit von ihren Höchstständen 1999 entfernt, die bei über 100 Euro lagen.

DÜSSELDORF. Anlass für den Kurssprung war ein neuer Großauftrag, den das Wiesbadener Unternehmen vor einigen Tagen erhalten hat: Australian Magnesium Operations hat für 27 Mill. Euro Apparate zum Korrosionsschutz bestellt. Wichtig ist auch, dass SGL kurz vor Jahresende kurzfristige Schulden in langfristige umgeschichtet hat.

Wer das Kurs-Gewinn-Verhältnis der Aktie anschaut, findet sehr niedrige Kennziffern - die Aktie erscheint also billig. Doch diese Bewertungen bewegen sich auf dünnem Eis. Denn das Ergebnis des vergangenen Jahres dürfte noch unter der Nulllinie liegen, und das laufende Jahr hat gerade begonnen.

Seitdem das Unternehmen 1995 durch Abspaltung von Hoechst entstanden ist, wird der Kurs von zwei Themen bestimmt: Der Hoffnung auf neue zukunftsweisende Techniken aus Kohlenstoff auf der einen und ein kostspieliges Kartellverfahren auf der anderen Seite.

Im Jahr 2001 erwirtschaftete SGL vor Steuern einen Verlust von 65,8 Mill. Euro, nachdem es ein Jahr zuvor noch ein Plus von 20 Millionen gab. Allerdings spielten 2001 auch "Restrukturierungsaufwendungen" von 41 Mill. Euro eine Rolle - in den USA wurden drei Werke geschlossen, in Europa der Personalstand "angepasst". Dazu kam eine Rückstellung von 35 Mill. Euro für das schwebende Kartellverfahren. Rechnet man diese beiden Positionen heraus, so hätte sich noch ein schmaler Gewinn ergeben.

In den ersten neun Monaten 2002 lag das Ergebnis vor Steuern mit einem Minus von drei Millionen Euro knapp unter der Wasserkante. Dabei ist der vergleichbare Umsatz gesunken. Für Kartellrisiken wurden diesmal keine neuen Rückstellungen gebildet.

Im Dezember gab es dann ein neues Kartellurteil gegen SGL mit einer Buße von 28 Mill. Euro - "überraschend hoch", fand auch der Konzernchef Robert Koehler. Damit dürfte ein echter Gewinn, der fast in Reichweite schien, wieder einmal eine Wunschvorstellung bleiben.

Wer sich die einzelnen Segmente anschaut, stellt fest, dass "SGL Technologies", worin die Zukunftstechniken versammelt sind, im Vergleich der Neunmonatszeiträume seinen Umsatzanteil von 11 auf 14 % erhöht hat. Das passt gut in die "Story" von SGL. Zum Teil liegt diese Verschiebung allerdings an der Schwäche des traditionellen Geschäfts. Viel wichtiger: SGL Technologies ist mit einem Betriebsergebnis von minus zehn Millionen Euro zwar immer noch der ertragsschwächste Bereich, aber der Trend zeigt in die richtige Richtung: Per Ende September 2001 lag das Minus noch bei 27 Millionen Euro.

Fazi

t: Die "Story" von SGL stimmt im Prinzip zwar immer noch, aber das Happy End ist vorerst nicht in Sicht.

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