Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

29.01.2001

19:00 Uhr

Die Internettochter UU-Net soll mit ihrer Mutter verschmolzen werden

Worldcom sucht Partner für UMTS-Einstieg

VonDonata Riedel

Die deutsche Tochter des US-Telekomunternehmens will das Geschäft mit Internetdienstleistungen und Datenübertragung für Unternehmen schnell ausbauen. Mobiles Internet sieht Deutschland-Chef Thomas Martin als wichtige Ergänzung - allerdings erst in fünf bis zehn Jahren.

BERLIN. Worldcom und ihre Tochter UU-Net werden miteinander verschmolzen. Eine enge Zusammenarbeit zwischen dem Anbieter klassischer Telekomdienste für Unternehmen und dem Internet Service Provider bietet sich nach Meinung von Worldcom-Deutschland Geschäftsführer Thomas Martin an: Nach dem Kursrutsch Ende letzten Jahres werde sich Worldcom noch stärker als bisher auf den Wachstumsmarkt Datendienste konzentrieren, deren Anteil am Umsatz in den nächsten zwei Jahren von heute 35 % auf 50 % steigen soll. Die technische Basis sollen dabei die UU-Net-Datennetze nach dem Internet-Standard IP bilden.

Die bisher nur im Festnetz tätige Worldcom sucht außerdem Anschluss an den UMTS-Mobilfunk. "Wir wollen ein europaweiter virtueller UMTS-Netzbetreiber werden", sagt Martin. Erste Verhandlungen über die Mitbenutzung eines Netzes würden mit den Inhabern von UMTS-Lizenzen geführt. Für Worldcom sei es wichtig, einen Partner mit europäischer Anbindung und einem möglichst großen Marktanteil zu gewinnen.

Der UMTS-Netzbetreiber wiederum könne im Tausch das Worldcom--Netz nutzen: In Europa gehören Worldcom 16 000 km Glasfaser-Strecken sowie die Hälfte an zwei Transatlantikkabeln. Mobile Datendienste sieht Martin allerdings erst in 5 bis 10 Jahren als notwendige Ergänzung des Worldcom-Angebots, das sich ausschließlich an Unternehmen richtet.

Die Probleme, die Worldcom in den USA hat, treffen die deutsche und die anderen europäischen Töchter laut Martin nicht. "Ich sehe die Abspaltung des Privatkundengeschäfts eher als Bestätigung unserer auf Geschäftskunden ausgerichteten Strategie", so Martin. Die Abspaltung der Privatkundensparte MCI hält er nicht allein für einen Finanztrick zur Besänftigung der Aktionäre. "Das Management eines langsam wachsenden Massengeschäfts muss sich ganz anders aufstellen, als ein schnell wachsender Anbieter von Datendiensten für Unternehmen", meinte er.

In Deutschland wird Worldcom in diesem Jahr die Umsatz-Milliarde erreichen. Bisher ist das Unternehmen hier zu Lande jährlich um jeweils 40 bis 50 % gewachsen. Die Beschäftigtenzahl stieg im Jahr 2000 von 750 auf 1200 und soll in diesem Jahr weiter wachsen. Inzwischen sei das deutsche Geschäft operativ in der Gewinnzone, das Ebitda (Gewinn vor Steuern, Abschreibungen und Zinsen) in den schwarzen Zahlen. In zwei Jahren werde der echte Break-even erreicht, so Martin.

Nach den Anfängen mit Großunternehmen wirbt Worldcom jetzt um den Mittelstand. Dazu steigt Worldcom immer stärker in die Ortsnetze ein. Neben dem börsennotierten Letzte-Meile-Anbieter QSC, Köln, arbeitet das Unternehmen demnächst auch mit Riodata, Frankfurt, zusammen, deren DSL-Infrastruktur es mitbenutzt.

Martin glaubt, dass sich der deutsche Telekommarkt in diesem Jahr völlig anders entwickeln wird, als man noch im Oktober dachte. Nach dem Zusammenbruch der Kurse setzten jetzt alle Geldgeber verstärkt auf Profitabilität. Viele Anbieter würden daher wohl bald vom Markt verschwinden, meint Martin. Schwächelnde Unternehmen übernehmen werde Worldcom aber nur dann, wenn sie hervorragend in die eigene Strategie passten, weil jede Fusion Integrationskraft koste.

Der Worldcom-Deutschland-Chef ist überzeugt, dass E-Commerce heute erst am Anfang steht, und das große Geschäft über elektronisch vernetzte Plattformen erst noch kommen wird. Gerade kleinen Unternehmen will Worldcom den Aufbau eigener Internet-Abteilungen ersparen und die Server- und Software-Pflege als Dienstleistung anbieten. "Dass unser Datennetz ziemlich gut ist, hat uns ja sogar die EU-Kommission bescheinigt", spöttelt Martin. Sie hatte wegen der Worldcom-Marktstellung im Markt für Datenübertragung die Übernahme von Sprint untersagt.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×