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07.01.2002

11:34 Uhr

Die K-Frage und die Union: Soll der Ministerpräsident gegen Schröder antreten?

CONTRA: Der CSU-Chef ginge für nichts und wieder nichts durchs Feuer

VonCHRISTOPH BIRNBAUM

Erinnern Sie sich noch an die K-Frage 1980? Damals ging es darum, ob Helmut Kohl (Franz Josef Strauß: "Der wird nie Kanzler"), Ernst Albrecht oder eben der Löwe aus Bayern selbst antreten sollte. "Was mich angeht, so würde ich lieber Ananas in Alaska züchten als Bundeskanzler sein", tönte "FJS". Wenig später holte er sich im Rennen mit Helmut Schmidt eine blutige Nase.

Alles ist also schon mal da gewesen: Das große Zaudern, das Kokettieren. Der "Cunctator", der Zögerer, wurde Strauß damals genannt. Sehr zu Recht. Seinem Ziehsohn Edmund Stoiber geht es nicht viel anders. Mit den Jahren ist er - abseits aller verbalen Kraftakte - zum vorsichtigen, ja defensiven Taktiker der Macht geworden. Und hat sich darin ganz offensichtlich in den letzten Wochen und Monaten ziemlich verheddert. In der K-Frage 2002 kommt er am Ende jedenfalls genauso wenig als Sieger heraus, wie Angela Merkel. Beide sind Opfer eines Dritten: Helmut Kohl.

Nein, wer sich die Frage nach der Kanzlerkandidatur aus der Sicht Stoibers und jenseits dessen persönlicher Ambitionen ganz nüchtern stellt, kann nur noch einmal mit Strauß antworten: "Es ist immer gut, wenn man sich an vergangene Tiefpunkte erinnert und kommende nicht für ausgeschlossen hält."

Glaubt denn jemand im Ernst, die Union könne die Bundestagswahl im September gewinnen und den nächsten Kanzler stellen? Wohl niemand! Natürlich darf dies keiner sagen, aber fragen muss es sich ein Kandidat Stoiber schon bevor er antritt: Durchs Feuer gehen für nichts und wieder nichts? Stoiber, der selbstlose Märtyrer?

Denn wie viel Rückhalt hat der Bayer bei der Union jenseits des berühmt-berüchtigten Weißwurst-Äquators, sagen wir mal in der nicht ganz unbedeutenden Frage eines neuen Einwanderungsrechts? Nicht viel, um ehrlich zu sein. Die Positionen des bayerischen Innenministers Beckstein und des saarländischen Ministerpräsidenten Peter Müller, immerhin CDU-Vordenker in dieser Frage, liegen meilenweit auseinander. Wer garantiert Stoiber also mehr Geschlossenheit in der Union, als sie Angela Merkel immer wieder hilflos einfordert?

Nein, es gibt sogar mehr als 37-einhalb gute Gründe, Stoiber von einer Kandidatur abzuraten. Nicht nur den 22. September wird er dabei im Auge haben. Mindestens gleichbedeutend dürfte für ihn die nächste Landtagswahl in Bayern im Herbst 2003 sein. Was passiert eigentlich mit einer CSU in Bayern, wenn ein im Bund geschlagener Stoiber grollend - wie einst Franz Josef Strauß 1980 - nach München zurückkehrt und die Union in Berlin hilf- und kopflos eine neue Führung sucht? Sie ist auf Gedeih und Verderb dazu verdonnert, im eigenen Land die absolute Mehrheit zu erlangen. Dem voraussichtlich nächsten Kanzler Schröder wird es dabei eine Freude sein, in Bayern ein zweites Mal gegen seinen unterlegenen Herausforderer aufzutrumpfen. Und sollte die absolute Mehrheit der CSU in Bayern einmal fallen, dann Gnade Gott dem Volk der Bayern und - allen voran - Edmund Stoiber.

Nein, der bayerische Ministerpräsident tut sich und der Union keinen Gefallen mit einer Kandidatur. Frei nach Karl Valentin: "Gedurft hätt? er schon, aber gekonnt hat er halt nicht." Oder, halten wir es ein letztes Mal augenzwinkernd mit Strauß: "Wir Bayern sind bereit, wenn es die Geschichte erfordert, notfalls auch die letzten Preußen zu sein." Und die sind - trotz des Preußenjahrs - schließlich untergegangen. In allen Ehren.

Deshalb kann es für die Union nur heißen: Mit Angela Merkel durchs Feuer und ab in die Opposition für weitere vier Jahre! Politik funktioniert eben nicht immer nach Großmutters Rezepten.

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