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04.01.2001

17:13 Uhr

Die Klage wird bis Mitte Januar bei Gericht eingereicht

SdK klagt gegen ehemalige Vorstände von Infomatec

Die Schutzgemeinschaft der Kleinaktionäre will einen Präzidenzfall schaffen. Es geht um einen Schaden von rund 5 Mill. DM.

vwd AUGSBURG. Die Schutzgemeinschaft der Kleinaktionäre (SdK) wird bis Mitte Januar ihre Schadensersatzklage gegen die beiden ehemaligen Vorstände des Softwareunternehmens Infomatec Integrated Information Systems AG, Augsburg, Alexander Häfele und Gerhard Harlos, beim Landgericht Augsburg einreichen. Der Rechtsvertreter der SdK, Anwalt Werner A. Meier von der Münchner Kanzlei Marzillier, erklärte am Donnerstag, er geht davon aus, die "Geschichte" für seine rund 150 Mandaten mit einer Schadenssumme von schätzungsweise rund 5 Mill. DM zu gewinnen und einen Präzidenzfall zu schaffen.

Meier beruft sich dabei auf @ 400 Aktiengesetz, wonach Vorstandsmitglieder keine falschen Angaben machen dürfen. Der strittige Punkt sei, ob sich aus diesem Gesetz automatisch ein Schadensersatz ableiten lasse. Meier, nach dessen Angaben es letztmals in den dreißiger Jahren Entscheidungen darüber gab, sieht Informatec dafür als "den Fall mit den höchsten Aussichten" an. Die beiden Ex-Vorstände Harlos und Häfele sitzen immer noch in Untersuchungshaft und haben bislang keine Haftbeschwerde eingelegt. Wie Oberstaatsanwalt Hans-Jürgen Kolb am Donnerstag auf Anfrage erklärte, hat es zwischen Verteidigung und Staatsanwaltschaft ein Gespräch gegeben, bei dem von Seiten der Verteidigung weder Anträge gestellt noch Zahlen für eine Kaution genannt worden sind.

"Einen solchen Fall von Kursmanipulation habe es noch nicht gegeben"

Derzeit sei die Staatsanwaltschaft damit beschäftigt, die sichergestellten Unterlagen auszuwerten. Bis April rechnet Kolb mit dem Abschluss der Ermittlungen. "Wir betreten hier absolutes Neuland, einen solchen Fall von Kursmanipulation hat es hier noch nicht gegeben", erklärte Kolb. Gegen die beiden Ex-Vorstände des Softwareunternehmens ermittelt die Staatsanwaltschaft in Augsburg unter anderem wegen verbotenem Insiderhandels, Kursbetrug und falscher Darstellung der Sachlage des Unternehmens. Die beiden Vorstände waren Mitte November vergangenen Jahres zurückgetreten und wenige Tage später in Untersuchungshaft genommen worden.

Das am Neuen Markt notierte Unternehmen sorgte bereits vorher für Schlagzeilen, als offensichtlich wurde, dass statt des angekündigten Umsatzes für 2000 von rund 90 Mill. bis 100 Mill. Euro nur mit rund 50 Mill. Euro zu rechnen sei und die Aktie nach Veröffentlichung der Halbjahreszahlen im Sturzflug sank. Mittlerweile wurde zum ersten Januar mit Helmut Schiner ein neuer Vorstandsvorsitzender bestellt. Das Unternehmen versuche die Zeitvorgaben zu halten und aus den Turbulenzen der Vergangenheit herauszukommen, hieß es.

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