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13.07.2000

08:46 Uhr

dpa HAMBURG. Die Marke macht's - das gilt besonders für Modeaktien. Ein bestimmtes Lebensgefühl und nicht nur einen Anzug oder ein Kleid zu verkaufen ist nach Einschätzung von Analysten der Schlüssel zum Erfolg. Bester Beweis ist der raketenhafte Aufstieg der Hugo-Boss-Aktie. Boss, der Herrenschneider aus Metzingen bei Stuttgart, sei eine "starke Marke", die mit der geplanten Frauenkollektion für die nötige Fantasie am Aktienmarkt sorge, sagt Analyst Hartmuth Höhn von der Berenberg Bank. Innerhalb der vergangenen sechs Monate schoss das Papier von 105 Euro auf 175 Euro.

Bei einer solchen Kursentwicklung werde es manchem Anleger allerdings mulmig, sagt Analyst Burkhard Sawazke von HSBC Trinkaus & Burkhardt. "Die Marktteilnehmer warten dann regelrecht auf schlechte Nachrichten."

Diese ließen auch nicht lange auf sich warten: Der Damenmodehersteller Escada aus München meldete für das erste Halbjahr des Geschäftsjahres 1999/2000 einen Vorsteuerverlust von 49,3 Mill. DM. Das habe die Euphorie am Markt für Mode-Aktien erst einmal gebremst, sagt Sawazke. Für einen Dämpfer sorgte auch der verschobene Esprit-Börsengang. Obwohl das Angebot überzeichnet war, wollte die Esprit Europe AG stabilere Aussichten für die Bekleidungsbranche abzuwarten.

Deutlich unter Druck geriet zudem die Aktie des schwedischen Herstellers Hennes & Mauritz (H&M): Innerhalb weniger Monate halbierte sich der Kurs. Nur netter Lifestyle reiche eben nicht mehr aus, sagt Höhn. Auch der Wechsel im Management und die stockende Expansion hätten sich belastend ausgewirkt. Die Zukunft von H&M sieht der Analyst trotz der Probleme optimistisch: Der Modekonzern werde auf lange Sicht von seinem hohen Wiedererkennungwert, sprich von seiner Marke profitieren.

Die Experten sehen die Abkühlung der Lifestyle-Aktien nach dem Hoch der vergangenen Monate gelassen. "Eine Reihe Anleger haben ihre Gewinne mitgenommen", sagt Höhn. Das sei nach einer Hochphase normal. Auch für Sawazke ist die zur Zeit schwache Tendenz kein Grund zur Sorge. "Die Modewerte stehen nicht unter dem dot.com-Malus", sagt der Experte und spielt auf den teils rasanten Kursverfall bei Internet- und anderen jungen Technologiewerten an.

Laut Sawazke gehört das Ober- und Untersegment mit starkem Markenprofil zu den Gewinnern auf dem Modemarkt. Ausnahmen im Mittelsegment bildeten Esprit und die italienische Firma Benetton. Neben Image-Politur lohnt sich auch eine aktionärsfreundliche Unternehmenspolitik. So habe Gerry Weber aus Halle in Westfalen von dem angekündigten zwei zu eins Aktiensplit profitiert, sagt Höhn. Die Aktie verbilligte sich optisch. Die Zukunft der Modeaktien sieht er insgesamt eher positiv. Die schrittweise Wirtschaftbelebung in Europa werde den Konsum ankurbeln.

Den Optimismus der Börsen-Experten kann Klaus Trompetter vom Bundesverband Bekleidungsindustrie nicht teilen. "Der Bekleidungsverbrauch ist insgesamt zu niedrig." Durchschnittlich geben die Konsumenten nach seinen Angaben rund sechs Prozent ihres Nettoeinkommens für Bekleidung aus. "Wir hoffen von Jahr zu Jahr dass der Verbraucher mehr ausgibt." Im Geschäftsjahr 1999 war der Umsatz im gesamten Bekleidungsgewerbe gegenüber dem Vorjahr um 4,9 % auf 21,4 Mrd. DM zurückgegangen.

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