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24.01.2003

08:39 Uhr

Die Masse läuft mit dem Index

Nur wenige Fonds dämpfen den Verlust

VonFrank Wiebe

Mit Aktienfonds ließ sich 2002 kein Geld verdienen. Nur wenige der Manager haben es geschafft, die Verluste wenigstens deutlich einzugrenzen. Wer sich heute neu positioniert, muss dabei nicht unbedingt auf die Besten des vergangenen Jahres setzen - sie könnten die Verlierer sein, wenn die Börse die Favoriten wechselt.

DÜSSELDORF. Die meisten Aktienanleger würden das Jahr 2002 am liebsten verdrängen. Trotzdem lohnt sich der Blick zurück. Konnten die Fonds sich der schlechten Wertentwicklung der Märkte entziehen? Die Antwort lautet: nur wenige.

Beispiel deutsche Aktienfonds. Der Dax sank 2002 um 44 %. Von 77 Aktienfonds mit Schwerpunkt Deutschland, die der deutsche Branchenverband BVI auflistet, konnten nur 19 den Verlust innerhalb der Grenze von 40 % halten, sich also halbwegs deutlich absetzen. Immerhin 49, also über die Hälfte, blieben im Rahmen von 43 %, haben somit "den Index geschlagen". Oft hat das einen speziellen Grund. Einige Fonds setzen auf Nebenwerte, die besser gelaufen sind als der Dax. Andere sichern sich gegen Verluste ab, was bei Gewinnen aber Abzüge kostet.

Interessant ist der Dax-Trend-Fonds von Warburg: Er blieb bei minus 26 %, obwohl er ausschließlich auf Daxwerte setzt. Allerdings steigt er nach einem so genannten Trendfolgesystem systematisch bei fallenden Kursen aus und bei steigenden ein - das dämpft Verluste wie auch Gewinne. Über fünf Jahre lieferte er insgesamt 4 % ab - viel mehr als der Dax, aber weniger als das Sparbuch. Nach der Sortierung von Feri-Trust, wo Nebenwertefonds abgetrennt werden, war er 2002 Spitzenreiter der Fonds für große deutsche Aktien.

Die Masse der Dax-Fonds bewegt sich zwischen 40 und 50 % - wie der Index selbst. Hier finden sich auch große Namen wie Concentra, Investa, Dekafonds und Frankfurt Effekten-Fonds. Einen ähnlichen Eindruck vermittelt der Blick in die Kategorie der internationalen Aktienfonds. Dort finden sich sehr viele im Bereich zwischen minus 30 und 40 %. Der bekannte Vermögensbildungsfonds I der DWS landete bei minus 30 %, ähnlich der Uniglobal mit 32 %. Der einst gefeierte Metzler Wachstum International brach sogar um 53 % ein. Der Templeton Growth Fund landete bei minus 24 %. Im Bereich der europäischen Aktienfonds hielt der Riese der Branche, der European Growth Fund von Fidelity, sich mit minus 19 % noch relativ gut.

Wer sich für das laufende Jahr neu positioniert, muss zuerst entscheiden, ob er an eine Erholung der Börsen glaubt. Wenn nicht, dann sind alle Aktienfonds das falsche Produkt. Wenn ja, dann müssen die relativen "Gewinner" 2002 nicht die größten Chancen bieten. In der Börsenkrise hielten sich vor allem "Value-Fonds" gut, die ihr Augenmerk auf die Bewertung der Aktien legen und überwiegend in Traditionsbranchen zugreifen, "Growth-Fonds" mit der Orientierung am erhofften Untenehmenswachstum und Schwerpunkten bei Tech-Werten fielen hingegen herunter. Wenn die Börse anzieht, kann sich das genau umkehren.

Klaus Hagedorn, der den Metzler Wachstum International managt, hofft auf den Wechsel. Sein Argument: "Value-Aktien sind seit einigen Monaten teurer als Growth-Aktien." Eine verkehrte Welt, die seiner Ansicht nicht von Dauer sein kann. Allerdings geraten die Fronten durcheinander. Der Templeton Growth Fund, trotz seines Namens der weltweit bekannteste Fonds mit Value-Strategie, kauft längst auch Tech-Titel, wenn sie billig sind. Seine Fondsgesellschaft, Franklin Templeton, bringt zudem nicht zufällig neue Wachstumsfonds heraus.

Es gibt auch Fonds, die gar nicht in die gängigen Schubladen passen. Zum Beispiel der WM Aktien Global UI Fonds, der von dem Münchener Vermögensverwalter Wolfgang Mayr gesteuert wird. Er sucht Aktien mit kurzfristig hohen Wachstumschancen heraus. Außerdem sichert er Währungsrisiken gegen den Euro ab, was 2002 ein Vorteil war. Er schloss das Jahr mit minus 12 % ab und lag so unter den internationalen Aktienfonds sehr gut. Mayr meint: "Von der Einteilung nach Value oder Growth halte ich nichts."

Wichtig auch: Viele Fonds sind, weil sie sich kaum vom Index abheben, durch Indexzertifikate oder-fonds ersetzbar. Mit aktiv gemanagten Produkten lässt sich ein solches Indexdepot abrunden - aber nur, wenn sie sich von der Masse unterscheiden.

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