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29.01.2002

19:01 Uhr

Die Mobilfunkriesen leiden in Deutschland und Großbritannien an sinkenden Umsätzen pro Kunden

Zeit der Quasselstrippen ist vorbei

VonANDREAS HOFBAUER

Nach dem jahrelangen Boom folgt nun die Ernüchterung: Am britischen Handymarkt stagnieren nicht nur die Verkaufszahlen, auch die Umsätze pro Kunde sinken weiterhin deutlich.

HB LONDON. Neben der zunehmenden Sättigung bei den Handy-Verkäufen ist für die Mobilfunkunternehmen scheinbar auch die Zeit der umsatzbringenden Quasselstrippen vorbei. Zwei der führenden Anbieter in Großbritannien, Vodafone und Orange, melden zumindest einen drastischen Rückgang bei dem für das Handygeschäft als wichtiges Maß angesehenen Umsatz pro Kunden. Bei Weltmarktführer Vodafone Group plc sank diese auf das Jahr hochgerechnete Zahl im letzten Quartal 2001 am deutlichsten auf dem deutschen Markt, wo der Anbieter mit D2 vertreten ist.

Auch Konkurrent Orange musste deutliche Einbußen beim Umsatz pro Kunden hinnehmen, feierte sich gestern aber erstmals als größter Anbieter in Großbritannien mit 12,4 Millionen aktiven Kunden.

Vodafone-Chef Chris Gent sagte am Dienstag, im laufenden Jahr sei mit einer Stabilisierung bei den Umsätzen pro Kunden zu rechnen. In London gab die Vodafone-Aktie deutlich nach. Das FTSE-100-Schwergewicht sank um 2 % auf 168 Pence. Analysten zeigten sich dennoch nicht geschockt. Die Kundenzahlen bewegten sich im Rahmen der Erwartungen, so ein Händler: "Aber das ist auch nicht genug, um der Aktie deutlich besser aussehen zu lassen."

Wie Vodafone mitteilte, sank der hochgerechnete durchschnittliche Jahresumsatz pro Kunde in Deutschland von 317 Euro im Vorquartal bis Jahresende auf 303 Euro. Auch in Großbritannien gab der Umsatz von 281 £ (458 Euro) auf 274 GBP (446 Euro) deutlich nach. In Italien stabilisierte er sich dagegen auf dem niedrigeren Niveau bei 332 Euro.

Bei Orange waren die Umsatzrückgänge noch deutlicher. Die heutige France-Telecom-Tochter schaffte am britischen Heimatmarkt nach 280 £ auf Jahresbasis pro Kunde nur noch 248 £, in Frankreich fiel der hochgerechnete Umsatz auf 392 von 426 Euro ein Jahr zuvor. Orange begründete die sinkenden Erlöse mit dem schnellen Kundenwachstum, was den Anbieter erstmals zum Marktführer in Großbritannien gemacht hat. Dabei bedient sich das Unternehmen allerdings einer neuen Rechenart: Gezählt werden nur noch die "aktiven" Kunden. Dabei werden die Teilnehmer ausgeschlossen, "die nicht ein Telefonat im Quartal geführt und weniger als vier Anrufe erhalten haben."

Zwar zählt auch Vodafone bei seinen 13,2 Millionen Kunden in Großbritannien nur die gebührenpflichtigen Telefonate. Der Konzern hat jedoch bislang erklärt, dass lediglich 84 % der Kunden wirklich aktiv wären, das wären mit 11,1 Millionen deutlich weniger als bei Orange. Und das Rennen geht weiter: Die frühere Tochter von British Telecom, MM02, mit bislang 11 Millionen Kunden am heimischen Markt, wird am 7. Februar seine Kundenzahlen präsentieren.

Weltweit ist Vodafone jedoch mit 100 Millionen Kunden unbestrittener Marktführer. Großbritannien, Deutschland und Italien sind die größten Märkte. Vodafone will den Rückgang beim Handyverkauf durch eine erhöhte Nutzung mobiler Datendienste und Kurznachrichten (SMS) ausgleichen. Im Dezember brachte dies Geschäft bereits 12 % des Umsatzes.

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