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09.02.2001

07:44 Uhr

Die Narren müssen sparen

Motley Fool entlässt ein Drittel der Belegschaft

Das für seine oftmals komische Sicht auf die Börsen bekannt gewordene Anlegerportal muss starke Einbrüche bei den Werbeeinnahmen hinnehmen. Um das Überleben zu sichern, müssen 115 Mitarbeiter gehen, Teile des Angebots werden eingestellt, darunter auch die deutschsprachigen Seiten.

rje NEW YORK. Nun hat es auch die Börsen-Narren erwischt. The Mootley Fool, eine der ersten Investment-Seiten im Internet überhaupt, gab am Donnerstag in New York ein umfangreiches Maßnahmen-Paket zur Kostensenkung bekannt.

Um das langfristige Überleben zu sichern, müssen 115 Mitarbeiter in den USA und Großbritannien die Narrenkappe abgeben. Das entspricht rund ein Drittel der gesamten Belegschaft. Außerdem werden weitere Teile des Internet-Angebotes eingestellt. Schon Anfang des Jahres wurde das deutsche Angebot Fool.de bis auf die Diskussionsforen vom Netz genommen. Jetzt soll das Angebot soapbox.com folgen. Hier konnten Anleger die Ergebnisse ihres privaten Aktienresearch veröffentlichen.

Die Investoren haben zur Realität zurückgefunden und sind nicht weiter an lustigen Abenteuern interessiert: "Allen Ausgaben müssen Erlöse gegenüberstehen", kommentiert Dan Levitan, Partner bei der Ventue Capital Firma Maveron LLC, die The Motley Fool mit finanziert haben. "Das Unternehmen muss nun neue Umsatzquellen finden, um unter den harten Bedingungen des Werbemarktes bestehen zu können."

Doch wie die Anbieter von kostenlosen Finanzinformationen im Internet überhaupt überleben können, ist den Experten unklar. Denn trotz hoher Klickraten sind mittlerweile nahezu auch die bekanntesten Anbieter in Schwierigkeiten. Darunter auch TheStreet.com. Das börsennotierte Unternehmen hatte ebenfalls Anfang des Jahres Entlassungen angekündigt, die Niederlassung in London geschlossen und eine Zusammenarbeit mit der New York Times beenden müssen. Am Donnerstag meldete TheStreet.com für das vierte Quartal einen Anstieg des Verlustes im Vergleich zum Vorjahreszeitraum von 11,8 Mill. $ auf 24,6 Millionen $. Der Umsatz stieg um 23 % auf 6,3 Mill. $. Branchenexperten vermuten, dass TheStreet nun auf eine rasche Übernahme hofft.

Wie es hinter den Kulissen bei The Motley Fool wirklich aussieht ist nicht bekannt, da das private Unternehmen keine Geschäftszahlen veröffentlicht. The Fool war mit rund 2,7 Millionen Besuchern im Dezember nach Angaben von Media Metrix das zweit-erfolgreichste Angebot nach CBS MarketWatch.

Dennoch: "Niemand kann sich den Auswirkungen der schwachen Technologie-Börsen entziehen", meint Erik Rydholm, einer der Gründer und Geschäftsführer von The Motley Fool. Nur wer sich den veränderten Wünschen der Nutzer schnell anpasst, könne überleben.

Nach einer Untersuchung von cPulse, einer Tochter der Marktforschungsgesellschaft Gartner Group, haben die Privatanleger das Interesse an Spekulationen über Aktien in Chatrooms und Boards verloren. Vielmehr bestehe ein starkes Bedürfnis nach Service-Informationen und Hilfen, die es dem privaten Investor erleichtern, sein Vermögen zu verwalten.

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