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07.01.2007

09:49 Uhr

Die „Netten“ und die „Ekel“

Von Fieslingen will keiner was wissen

VonJulia Leendertse

Manager unterschätzen den Wert charmanter Inkompetenz. Weniger beschlagene, aber nette Mitarbeiter können für Firmen wichtiger sein als kompetente Ekel. Manche dieser Menschenfreunde können sogar entscheidend werden für den Erfolg des Unternehmens.

Meryl Streep in "Der Teufel trägt Prada". Foto: PR

Meryl Streep in "Der Teufel trägt Prada". Foto: PR

„Können Sie Gabbana bitte buchstabieren?“ Collegeabsolventin Andy Sachs glänzt wahrlich nicht mit Modekenntnissen, als sie einen begehrten Job ergattert. Andy ist die Assistentin von Miranda Priestly – Herausgeberin der wichtigsten Modezeitschrift Amerikas. Und als solche noch nicht mal das italienische Designerduo Dolce & Gabbana zu kennen ist peinlich. Ihre erfolgreiche, aber ebenso selbstherrliche Chefin lässt daher keine Gelegenheit aus, sie zu schikanieren und mit den unmöglichsten Aufträgen zu quälen. Im Hollywoodstreifen „Der Teufel trägt Prada“ verkörpert Meryl Streep das Klischee einer Furie, die das Betriebsklima erstickt. Smarte Unsympathlinge wie sie sitzen auf allen Hierarchiestufen – und die meisten Unternehmen unterschätzen, wie viel Sand diese ins Getriebe streuen.

„Bei Chefs, von deren Gunst sie sich abhängig wähnen, mögen Mitarbeiter Allüren noch hinnehmen“, urteilt Heiko Wolters, Partner der Personalberatung Egon Zehnder. „Kritisch wird es, wenn Kollegen auf gleicher Augenhöhe stehen und die Wahl haben, den anderen einzubeziehen oder ihn zu ignorieren.“ Ein Problem, das viele Führungskräfte verharmlosen: „Sie lassen sich oft von Mitarbeitern blenden, die zwar Spitzenleistungen erbringen, deren Know-how aber niemals anderen Kollegen zugute kommt – weil keiner mit ihnen zusammenarbeiten will“, warnen die Organisationsexperten Tiziana Casciaro von der Harvard Business School und Miguel Sousa Lobo von der Duke University. Sie analysierten rund 10 000 Arbeitsbeziehungen. Fazit: „Die meisten arbeiten lieber mit einem sympathischen Dummkopf als mit jemandem, der kompetent, aber unsympathisch ist.“

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Casciaro und Lobo fragten Manager und ihre Mitarbeiter, wer generell mit wem zusammenarbeitet, wer in heiklen Situationen um Rat gebeten wird und an wen die Kollegen sich wenden, wenn sie ein Problem auf kreative Art lösen wollen. Auf die Frage: Was zählt mehr – Kompetenz oder sympathische Ausstrahlung? hieß es unisono: „Für mich zählen vor allem das Können und das Wissen eines Mitarbeiters. Wenn er noch ein netter Kerl ist – umso besser. Sympathie ist für mich nicht der ausschlaggebende Faktor.“ Die tatsächlichen Arbeitskontakte jedoch bewiesen das genaue Gegenteil. „Wenn Mitarbeiter einen Kollegen absolut unsympathisch finden, ist es völlig egal, ob die Person fachlich exzellent ist oder nicht. Mit so jemandem wollen sie auf gar keinen Fall zusammenarbeiten“, betont Casciaro. „Umgekehrt wenden sich Mitarbeiter wegen jeder Kleinigkeit an Kollegen, die sie nett finden – auch wenn diese nicht besonders kompetent sind.“

Ist es unprofessionell, wenn Mitarbeiter sich instinktiv lieber mit fachlich weniger versierten Sympathieträgern statt mit fähigen Fieslingen umgeben? „Natürlich ist es manchmal ein Fehler, wenn man auf Know-how verzichtet“, urteilt Lobo. „Doch erstens ist es oft schwierig und zeitraubend, einem ungehobelten Menschen Informationen zu entlocken, und zweitens muss man mitunter in solchen Gesprächen persönliche Schwächen preisgeben, die dieser womöglich ausnutzt oder anderen preisgibt.“

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