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04.01.2001

00:00 Uhr

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Die neuen Freunde der Internet-Apotheken

VonBernd Kupilas

Während Netz-Arznei-Händler DocMorris noch vor den Gerichten um Zulassung kämpft, tauchen starke Verbündete auf. Allen voran die AOK will den Internet-Apotheken auf die Beine helfen...

Die umstrittene und zuletzt arg gebeutelte Internet-Apotheke DocMorris hat einen mächtigen Verbündeten bekommen: Die Allgemeinen Ortskrankenkassen (AOK) wollen sich für den Arzneimittel-Handel via Netz stark machen. Auf der Homepage will der mächtige Marktführer unter den gesetzlichen Krankenkassen auf seriöse und preiswerte Internet-Apotheken hinweisen. Sogar einen eigenen Link sollen solche Anbieter auf der AOK-Seite bekommen - sofern die Netz-Apotheken strenge Qualitätskriterien erfüllen.

Das Engagement des AOK-Bundesverbandes verwundert nicht: Schließlich gehen Experten davon aus, dass sich durch elektronischen Handel die Arzneimittelausgaben der Kassen um durchschnittlich 15 Prozent verringern ließen. Angesichts neuer drohender Beitragserhöhungen für die Versicherten sind die Kassen verständlicherweise darauf aus, das staatlich sanktionierte Kartell der niedergelassenen Apotheker zu brechen und dieses Einsparpotenzial zu nutzen. Auch andere Kassen wollen dem Trend folgen. Die Betriebskrankenkasse Post in Stuttgart plant sogar, zusammen mit Partner eine eigene deutsche Internetapotheke aus der Taufe zu heben. Schon in wenigen Monaten soll sie an den Start gehen.

Verwunderlich ist hingegen, dass AOK und Betriebskrankenkassen (BKK) hier vorpreschen, obwohl die Rechtslage weiter unklar ist. Zwar hat das Berliner Landgericht gerade wieder der Internet-Apotheke DocMorris Recht gegeben und ihr den Handel mit Arzneimitteln erlaubt - mit Verweis auf das EU-Recht. Doch am Frankfurter Landgericht steht nach einer Einstweiligen Verfügung, die DocMorris den Arznei-Vertrieb untersagte, ein Urteil aus, das ganz anders aussehen könnte. Schließlich ist der Netz-Handel mit rezeptpflichtigen Pillen, Cremes und Pudern nach deutschen Recht nicht zulässig.

Vertreter von Ersatzkassen, die bundesweit organisiert sind wie die Techniker Krankenkasse oder die Barmer Ersatzkassen, erklären das so: AOK und BKK sind als regionale Kassen den Aufsichtsbehörden der Länder unterstellt - und deren Kontrollen seien eher lax, heißt es. Die Ersatzkassen stehen hingegen unter - strengerer - Bundesaufsicht.

Neben den Kassen kann DocMorris vielleicht noch weitere Verbündete für sich gewinnen: Die mächtige Ärztelobby in Form der Kassenärztlichen Bundesvereinigung sollte eigentlich ein Interesse daran haben, den kostensparenden Internet-Arznei-Vertrieb zu fördern. Schließlich ärgert die Kassenärzte kaum etwas mehr als das Arzneimittelbudget, das sie zu Regress verpflichtet, wenn sie zu viele Medikamente verschreiben. Ob allerdings eine Kartell-Lobby (Ärzte) der anderen Kartell-Lobby (Apotheker) ein Auge auskratzt, bleibt fraglich.

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