Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

04.04.2003

06:58 Uhr

Die NFL Europe startet in eine richtungweisende Saison

Show auf Schalke

VonThomas Knüwer

Die Football-Liga NFL Europe ist für die Fans Kult. In der neuen Saison müssen sich die deutschen Fans aber auf Spielstätten zwischen Palast und Baustelle einrichten.

DÜSSELDORF. Der erste Blick von Tilman Engel wird am Samstagmorgen dem Himmel gelten: "14 Grad, bewölkt" kündigt die Wettervorhersage derzeit an. Glück gehabt: kein Regen, keine extreme Kälte.

"Das Wetter ist für uns jetzt ein Faktor", sagt der Manager von Frankfurt Galaxy. Denn in den kommenden drei Jahren spielt das NFL-Europe-Team ohne Tribünendach: Das Waldstadion wird umgebaut.

Zwei ICE-Stunden nördlich darf sich Alexander Leibkind nach dem Aufstehen erst einmal anderen Dingen widmen: Sein Team Rhein Fire hat mehr Dach als bisher. Die Düsseldorfer ziehen, weil das Rheinstadion neu gebaut wird, für zwei Jahre in die Arena "Auf Schalke" - dort kann das Dach per Knopfdruck komplett geschlossen werden.

Es wird eine Spielzeit von besonderer Bedeutung, in die die NFL Europa an diesem Wochenende geht. Denn bei allen drei deutschen Teams müssen sich die Fans an neue Spielorte gewöhnen. Auch das dritte heimische Team zieht nämlich um: Berlin Thunder wechselt ins Olympiastadion - noch eine Baustelle. "Das kommt uns aber sogar entgegen", glaubt Manager Michael Lang. "Wir haben jetzt 20 000 Sitzplätze, die wir gut nutzen können. Die Kurven werden mit Bannern abgedeckt, so dass sie nicht wie Kurven wirken."

Obwohl das Team in den vergangenen beiden Jahren den Titel holte, kamen an guten Tagen gerade 10 000 Zuschauer ins Jahn-Stadion im Osten der Stadt. "Das alte Berliner Problem besteht weiter: Die Ost-Berliner gehen zwar in den Westen, die echten West-Berliner haben mit dem Osten aber immer noch Bauchschmerzen", sagt Lang. "Wir spüren, dass der Name Olympiastadion einfach ein Begriff ist. Das Feedback bei Fans und Sponsoren ist nun deutlich besser."

Neue Großsponsoren jedoch gibt es nicht, bestehende wie Coca-Cola und Burger King investieren jetzt jedoch mehr. Skoda wagt sich jetzt ohnehin bei allen drei deutschen Teams aufs Trikot, im Gegenzug hat mit E-Plus ein Großsponsor der Liga "Goodbye" gesagt.

Verglichen mit Thunder hat Frankfurt Galaxy künftig genau das gegenteilige Problem: Das Waldstadion ist zu klein. 26 000 Plätze werden die Hessen zur Verfügung haben, doch der Zuschauerschnitt lag vergangenes Jahr bei 34 000.

"Dieses und das kommende Jahr werden sehr herausfordernd", sagt denn auch Manager Engel. "Unsere Ticket-Einnahmen werden vermutlich um 20 bis 30 Prozent niedriger liegen. Dies können wir im Sponsorenbereich nicht voll auffangen." Der neue Mietvertrag berücksichtige dies, erklärt der Galaxy-Chef. Immerhin über zehn Jahre bindet sich die NFL Europe an das Waldstadion, das in der Saison 2005 immerhin wieder 40 000 Plätze haben wird. Ein Jahr später kommen zum Ende des Umbaus 12 000 weitere hinzu. Die Fans während dieser Phase bei der Stange zu halten, "das ist ein harter Überzeugungsjob", weiß Engel.

Einen solchen hat auch Fire-Manager Leibkind hinter sich. Quer durch das Ruhrgebiet warb sein Team für den Umzug an die Emscher. Für den nötigen Lokalkolorit sorgt im Übrigen ein Ex-Schalker: Der 39-jährige Ingo Anderbrügge ist neuer Feldtor-Kicker des Teams und löst nach langen Jahren Manfred Burgsmüller ab.

Zwei Jahre soll Fire auf Schalke spielen, so die offizielle Version. Aber: Schalke-Manager Rudi Assauer hat sich in die Verträge schreiben lassen, dass er fünf Jahre lang Football geboten bekommt. Folge: Entweder Fire bleibt im Pott, ein neues Team wird gegründet oder eine der anderen kränkelnden Mannschaften zieht gen Gelsenkirchen. Denn bis auf Fire und Galaxy dümpelt bei den anderen Teams der Zuschauerschnitt um die 10 000. Doch selbst wenn Fire Schalke wieder verlässt, ist eine Rückkehr nach Düsseldorf nicht sicher. "Köln ist eine schöne Stadt", orakelte Leibkind schon einmal. Bekannt ist außerdem, dass es atmosphärische Störungen zwischen der Landeshauptstadt und dem Klub gibt.

Zunächst einmal liegt aber das Ruhrgebiet im Fokus. Fire-Chef Leibkind glaubt, auch das Ruhrgebiet begeistern zu können - immerhin kamen schon zuvor eine Menge Fans aus der Region zu den Spielen nach Düsseldorf. 30 000 Zuschauer sollen es bei der Premiere am Samstag werden.

Daran wird die Live-Übertragung im Deutschen Sport-Fernsehen (DSF) nichts ändern. Der Sender kämpft durch die kurze Saison von April bis Juni jedesmal neu um Stammseher, betont Geschäftsführer Stefan Ziffzer: "Wir sind uns darüber im Klaren, dass wir mit dieser Serie zunächst wieder bei Null anfangen und einen harten Kern der Football-Liebhaber erst an uns binden müssen." 100 000 Zuschauer erwartet das DSF, in Verhandlungen steht man auch mit einem Titelsponsor für die Sendung. Für die meisten Fans sind diese Übertragungen jedoch nur eine Ersatzdroge.

Die Liga etablierte sich in Deutschland - freilich nicht nur durch guten Sport, sondern durch viel Show. Und so nehmen die Ankündigungen des Rahmenprogramms im Vorfeld des ersten Spieltags ebenso viel Raum ein, wie die Ausblicke der Trainer. In Frankfurt wird Bonnie Tyler röhren, auf Schalke Extrabreit und Berlin bietet in der kommenden Woche Mr. President.

Zumindest die Musikstars werden kommen, egal wie das Wetter wird.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×