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27.07.2000

16:17 Uhr

vwd SAN FRANCISCO. Rund 60 Prozent der Napster-Nutzer wollen sich auch dann Musik aus dem Internet herunterladen, wenn diese Praxis als illegal betrachtet werden sollte. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Studie von PC Data Online, Reston. Diese hat Sean Wargo, der zuständige Analyst des Marktforschungsunternehmens, im Gespräch mit dem Fachinformationsdienst CNET News, San Francisco, als Indikator für den "starken Rückhalt für das Konzept, Musik im Internet gemeinsam zu nutzen", gewertet.

"Der Zug ist bereits abgefahren", glaubt Wargo. "Die Plattenindustrie ist nicht auf dem derzeitigen Stand der Technologie. Der Versuch, Napster aufzuhalten, ist wie der Versuch, eine wilde Bestie unter Kontrolle zu bringen", meinte Wargo. "Die Technologie existiert bereits, sie wächst, und die Verbraucher werden sich auch weiterhin danach ausrichten", fügte er hinzu. Die Studie zeigt dem Bericht zufolge auch, dass die Internet-Nutzer immer weniger dazu bereit sind, für das Herunterladen von Musikdateien zu bezahlen.

Während 42 Prozent der Befragten erklärten, dieselbe Menge an MP3-Dateien herunterzuladen, auch wenn Gebühren erhoben würden, wollten 51 Prozent in diesem Fall weniger Musik über das Internet beziehen. Eine Untersuchung des Pew Internet Project, das von The Pew Charitable Trusts, Philadelphia, finanziert wird, hat ergeben, dass lediglich zwei von 13 Millionen US-Bürgern, die sich Musik aus dem Internet heruntergeladen haben, dafür auch bezahlten.

Die US-Bundesrichterin Marilyn Hall Patel hatte am Mittwoch in San Francisco eine Einstweiligen Verfügung gegen Napster Inc, San Mateo, erlassen, die von der Recording Industry Association of America (RIAA), Washington, beantragt worden war. Die Napster Inc bietet den rund 20 Millionen Nutzern ihres Internet-Angebots die Möglichkeit, MP3-Musikdateien zu suchen und anderen zur gemeinsamen Nutzung zur Verfügung zu stellen. Die RIAA wirft Napster Musikpiraterie vor und verlangt die Streichung aller urheberrechtlich geschützter Musiktitel aus den Verzeichnissen der Napster-Webserver, bis der eigentliche Prozess beginnt.

Zur Begründung verwiesen die Vertreter der RIAA einerseits darauf, dass das Publikum des Online-Angebots bis zum Ende des Prozesses von derzeit 20 auf 75 Millionen Nutzer wachsen könnte und andererseits auf die damit verbundenen Umsatzausfälle der Musikindustrie. Napster-Anwalt David Boies kündigte an, alle Rechtsmittel ausnutzen zu wollen, um die einstweilige Verfügung außer Kraft zu setzen, bevor Napster am Freitag um Mitternacht Ortszeit den Auflagen des Gerichts nachkommen muss.

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