Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

08.01.2001

19:00 Uhr

Die Probleme auf dem Markt treffen die Amerikaner stärker als ihre ausländische Konkurrenz

Kommentar: US-Autohersteller müssen umdenken

VonSTEFAN WINTER

Die Probleme auf dem Markt treffen die Amerikaner stärker als ihre ausländische Konkurrenz.

Für die amerikanische Autoindustrie fängt eigentlich jedes Jahr gut an. Denn mit der Motorshow in Detroit bekommen GM & Co. zum Start gleich ihr Heimspiel. Doch 2001 ist alles anders, nicht einmal der Glanz der Detroiter Neuheiten kann die Stimmung retten. Das vergangene Jahr endete für die Branche miserabel, und vom neuen ist nicht viel Besseres zu erwarten.

Die USA sind fast über Nacht zum vermeintlichen Krisengebiet der Autowelt geworden. General Motors, Ford und Daimler-Chrysler scheinen sich mit Hiobsbotschaften überbieten zu wollen. Sie präsentieren in schönem Wechsel korrigierte Prognosen, Schließungspläne, Sparprogramme. Derweil berichten Europäer und Japaner von satten Zuwachsraten auf dem scheinbar dahinsiechenden Markt.

Keine Frage, für Autoverkäufer sind in den USA schwierigere Zeiten angebrochen. Aber die hektischen Reaktionen der heimischen Industrie haben mehr mit deren eigenem Zustand zu tun als mit dem der Konjunktur.

Die Hersteller dort sind auf einer Modewelle gesurft, nicht bedenkend, dass teure Moden mit wenig Substanz das erste Opfer eines Abschwungs sind. Ausschließlich Vans und luxuriöse Geländewagen haben die Kassen gefüllt. Deren Merkmale sind oft repräsentatives Blech zu entsprechendem Preis und banale Technik zu entsprechenden Kosten - der Traum aller Finanzcontroller.

Jetzt folgt die Zeit des Erwachens. Auf den Auslandsmärkten waren diese Autos nie ein Hit, in den USA selbst beginnt die Konjunktur zu lahmen, und - was noch schlimmer ist - nach Jahren gewohnheitsmäßiger Rekorde wirken auch kleinere Rückschläge psychologisch verheerend. Verunsicherte Käufer schauen wieder nüchterner auf Preis und Gegenwert und stellen fest, dass die heimischen Entwickler seit Jahren nicht mehr in diesen Kategorien gedacht haben. Die Modellpaletten zeigen Lücken, in denen eine ganze Armada deutscher High-Tech- und japanischer Vernunftautos Platz hat.

Es wird also kein schönes Jahr für die amerikanische Autoindustrie, selbst wenn die jüngste Zinssenkung den Abstieg dämpfen sollte. Der Rest der Autowelt wird sich dem Sog nicht völlig entziehen können, aber er sollte die Folgen besser verkraften. Der deutsche Markt, im vergangenen Jahr für die Hiobsbotschaften zuständig, hat zumindest das Tal erreicht, auch wenn von einer Erholung noch wenig zu sehen ist. Der Rest Europas hält sich leidlich auf hohem Niveau, Asien und Südamerika versprechen wieder Besserung.

Die Probleme der US-Hersteller und die Erfolge vor allem der Europäer zeigen ohnehin, dass der große Konjunkturtrend nur einer der Erfolgsfaktoren ist. Solange keine handfeste Rezession ansteht, gilt: Märkte kann man machen. Eins von vielen Beispielen haben die Italiener mit Alfa Romeo geliefert, wo ein einziges Modell genügt hat, eine scheinbar endlose Krise zu beenden - und Gedanken an eine Rückkehr auf den US-Markt zu wecken.

Die aktuellen Probleme auf dem Automarkt haben nicht das Ausmaß, eine ganze Industrie in Angst und Schrecken zu versetzen. Bis jetzt kann man sie getrost in die Schwankungsbreite einer zyklischen Industrie einordnen. Sollten sie die Amerikaner härter treffen als andere, liegt das daran, dass sie es sich mit dem Surfen auf der Modewelle ein bisschen zu leicht gemacht haben.



Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf "Zum Home-Bildschirm"

Auf tippen, dann "Zum Startbildschirm hinzu".

×