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07.01.2003

07:56 Uhr

Die Prognosen für Börsengänge sind auch in diesem Jahr verhalten

Alte Bekannte planen Neuemissionen

VonFelix Schönauer

Alle Jahre wieder: Trotz des ungünstigen Verlaufs des Jahrgangs 2002 stehen Börsenkandidaten in ganz Europa in den Startlöchern. Doch die Unsicherheit über die konjunkturelle Lage, die Entwicklung am Aktienmarkt und ein möglicher Krieg im Irak könnten den Investmentbanken auch diesmal das Geschäft verhageln.

LONDON. Wer das Jahr 2002 am europäischen Neuemissionsmarkt positiv darstellen will, könnte es ungefähr so versuchen: Es kann kaum schlimmer kommen. Nach Angaben von Dealogic sammelten die exakt 100 Börsengänge im vergangenen Jahr 10,6 Mrd. Euro ein. Damit hat sich die Entwicklung gegenüber dem Vorjahr noch einmal verschlechtert: Im Jahr 2002 stand den Börsenkandidaten unter dem Strich nur knapp ein Drittel des Volumens von 2001 zur Verfügung. Und über das legendäre Jahr 2000 sollte man gar nicht erst nachdenken: Mit gut 14,3 Mrd. Euro brachte der damalige Konsortialführer-Primus Goldman Sachs mehr Wert an die Börse als alle Banken und Berater im trüben 2002.

Wieder einmal steht also eine Jahresbilanz unter dem Motto: Abhaken und vergessen. Die Banken haben längst reagiert und ihr Personal in den Neuemissions-Abteilungen drastisch reduziert. Die potenziellen Börsenkandidaten können nur hoffen, dass sich das Klima irgendwann ändert. Fragt sich nur: Wann?

"Vor dem zweiten Quartal 2003 wird es nicht besser", glaubt Tom Troubridge, Partner bei der Unternehmensberatung PricewaterhouseCoopers (PWC) und Autor eines Überblicks über den Markt für IPOs (Initial Public Offering, IPO). Zwar bereitet allein sein Londoner Büro derzeit zehn Firmen auf einen Börsengang vor. Doch die können sich gut zurückhalten. "Wenn die Spannungen im Irak beendet sind, kann es besser werden", nennt Troubridge eine wichtige Voraussetzung. Dennoch - angesichts der schwierigen ökonomischen Lage vermutet er keine Trendumkehr, eher eine Stabilisierung auf niedrigem Niveau.

Dabei ist es nicht so, dass am Markt keine Mittel vorhanden wären. Pensionsfonds, Versicherungen und Privatanleger sitzen auf hohen Geldbeständen. Doch sie sind vorsichtig geworden. "Man braucht mehr Stabilität am Aktienmarkt", sagt ein Managing Director einer US-Investmentbank. Die großen Schwankungen der Börsenkurse haben erst in den vergangenen vier bis sechs Wochen nachgelassen. Aber erst wenn im Markt für längere Zeit eine gewisse Ruhe einkehre, kämen die Anleger wieder, sagt er.

Managing Director James Blend von der britischen Bank HSBC hofft allerdings darauf, dass positive Beispiele einiger Neuemissionen des verkorksten letzten Jahres Investoren in den Markt zurück holen. Das größte IPO des Jahres 2002 in Europa, der französische Autobahnbetreiber Autoroutes du Sud de la France SA, konnte am ersten Handelstag um mehr als 11% zulegen. Auch heute noch liegt der Kurs - wenn auch nur knapp - über dem Ausgabekurs für Privatanleger.

Aus solchen Erfahrungen schöpft auch Stuart Fraser Hoffnung, Investment Manager beim Aktienbroker Brewin Dolphin: "Für Firmen mit einer sensiblen Preisbestimmung ist Raum im Markt." Während andere Beobachter sich nicht auf eine Branche oder Sektor festlegen wollen, sieht er geeignete Kandidaten im Telekom - und Nahrungsmittelbereich. Er ist begrenzt optimistisch: "Das laufende Jahr sollte höhere Volumina sehen" - einer konkreten Prognose freilich weicht er aus.

Bei den Kandidaten für das neue Jahr tauchen alte Bekannte auf. Es handelt sich um Firmen, die ihre Ambitionen in der Vergangenheit bekundet haben, ihr Vorhaben aber wegen der schlechten Lage am Markt verschoben haben. In Großbritannien werden etwa die gelben Seiten Yell genannt. Auch der Aktienbroker Cazenove gilt als Kandidat. Von deutscher Seite gehört die Telekom-Tochter T-Mobile zu den Anwärtern. In Italien steht dem Vernehmen nach der Luxusgüter-Konzern Prada ebenso in den Startlöchern wie der Telekom-Konzern Wind. In Irland fällt einmal mehr der Name der Getränke- und Nahrungsmittel-Kette Cantrell und Cochrane (C&C). Und in Frankreich, das im vergangenen Jahr gemeinsam mit Großbritannien den aktivsten Markt stellte, gehört der Gas-Konzern Gaz de France - wieder einmal - zum Kreis der Kandidaten. Dass dort der Staat Anteile von Air France oder Renault an den Markt bringt, gilt ebenfalls nicht als ausgeschlossen.

Quelle: Handelsblatt

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