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26.01.2003

19:23 Uhr

Die Spiele in der Zusammenfassung

Der Spieltag: Böses Erwachen zum Start der Rückrunde

Die Sprüche vor dem Rückrunden-Start waren forsch, die Taten auf dem Rasen jedoch mutlos.

dpa DüSSELDORF. Gleich zu Beginn der Aufholjagd gab es für Borussia Dortmund ein böses Erwachen aus dem Winterschlaf. Mit seinem 2:1-Siegtreffer für Hertha BSC Berlin in der Nachspielzeit traf Marcelinho den deutsche Meister mitten ins Herz und brachte ihn um die Chance, Tabellenführer FC Bayern München unter Druck zu setzen. Statt von Titelverteidigung redete der desillusionierte Trainer Matthias Sammer von drohenden Rückschlägen: "Wenn wir weiter solche Fehler machen, werden wir auf Platz zehn oder zwölf landen. Du musst sehen, dass du nicht durchgereicht wirst."

Bayer Leverkusens Torwart Jörg Butt schockte am Sonntag schon in der 15. Minute die eigene Elf und Trainer Klaus Toppmöller. Mit einem haarsträubenden Fehler gestattete der Nationalkeeper dem Schlusslicht Energie Cottbus die Führung in der BayArena durch Marco Gebhardt und leitete so das Debakel ein. "Ein harmloser Schuss. Den kann man rausköpfen. Normalerweise hält Butt den mit verbundenen Augen. Danach war die Verunsicherung bis auf die Tribüne zu spüren", kommentierte der entsetzte Manager Reiner Calmund die "Spiel enscheidende Szene". Marko Topic (32.) und der eingewechselte Andrzej Juskowiak (85.) erhöhten gar auf 3:0, so dass die verloren geglaubten Lausitzer neuen Mut im Kampf gegen den Abstieg schöpfen. Angesichts der sechsten Heimniederlage der Saison war das Comeback von Kapitän Jens Nowotny nach neun Monaten Verletzungspause für Bayer nur ein schwacher Trost.

Die Schlappe des Tabellennachbarn Dortmund nutzten die Profis von Werder Bremen zwar zum Sprung auf Platz zwei, konnten sich darüber aber nicht freuen. Denn im elften Heimspiel gegen Arminia Bielefeld reichte es erstmals nicht zu einem Sieg. Trotz zweimaliger Führung musste Thomas Schaaf mit einem 2:2 zufrieden sein. "Natürlich bin ich enttäuscht. Wenn man zu Hause zwei Tore macht, sollte man auch gewinnen", klagte der Werder-Coach. Ungleich besser war die Laune beim Südkoreaner Du-Ri Cha. Der Sohn des früheren Leverkuseners Bum- Kun Cha bescherte den Arminen mit seinem ersten Bundesliga-Treffer einen unerwarteten Punktgewinn.

Nicht nur für Dortmund, Bremen und Leverkusen endete die Winterpause anders als geplant. Gleich im ersten "Endspiel" gab es für den 1. FC Kaiserslautern einen bittere Rückschlag. Ohne erkennbares Aufbäumen setzten die "Roten Teufel" bei der 1:2- Heimschlappe gegen den aufstrebenden VfB Stuttgart ihre "Höllenfahrt" fort. "Es muss etwas passieren, sonst können wir das Thema Bundesliga in drei Wochen abhaken", sagte Mario Basler, der noch vor wenigen Tagen 10 000 ? auf den Klassenverbleib gewettet hatte.

Auch anderen Teams aus der unteren Tabellenregion bereitete der 18. Spieltag wenig Vergnügen. Sowohl Hannover und Rostock als auch Nürnberg blieben ohne Erfolgserlebnis. Vor allem beim Aufsteiger aus Hannover war der Ärger groß: Selbst eine 2:0-Führung gegen den schwachen Hamburger SV konnte die Serie von nunmehr sechs sieglosen Spielen nicht beenden. Zum Erhalt seines Arbeitsplatzes benötigt der umstrittene Trainer Ralf Rangnick in den nächsten Partien gegen 1860 München, Nürnberg und Cottbus wohl mindestens sechs Punkte.

Ein ungewöhnliches Geburtstags-Geschenk bereiteten die Rostocker dem Münchner Markus Schroth. An seinem 28. Ehrentag schoss der Stürmer die "Löwen" im Ostseestadion fast im Alleingang zum 4:1- Erfolg - und avancierte damit zum Star des Spieltages. Bemerkenswert war auch die Leistung der "Paradies-Vögel" Ansgar Brinkmann und Jörg Böhme. Nur einen Tag nach seiner Verurteilung zu einer Geldstrafe von 42 000 ? wegen mehrfacher Körperverletzung belehrte Bielefelds Brinkmann alle Kritiker eines Besseren. Genau wie der in Schalke umstrittene Böhme, der sein Team zum 2:1-Erfolg in Wolfsburg führte.

Licht und Schatten wechselten bei den acht Neuzugängen (Fiel, Heinz, Oliseh, Quattrocchi, Takahara, Tchato, Thiam, Vinicius), die in der Winterpause verpflichtet worden waren und erstmals für ihre neuen Clubs zum Einsatz kamen. Recht unspektakulär verlief die Premiere des 4. Schiedsrichters. Zu Beginn des auf die Rückrunde beschränkten und rund 220 000 ? teuren Pilotprojektes verlebten die zusätzlich eingesetzten Unparteiischen einen ruhigen Spieltag. "Der 4. Schiedsrichter kam ab und an zu mir, weil ihm langweilig war", kommentierte Nürnbergs Trainer Klaus Augenthaler nach der 1:2- Niederlage in Bochum die Neuerung vielsagend.

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