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22.01.2001

19:00 Uhr

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as Zusammentreffen einer Konjunktur-Verlangsamung in den USA mit der Bildung einer neuen US-Regierung und einem rekordverdächtigen Haushaltsüberschuss schürt die Ungewissheit über die US-Haushaltspolitik an den Finanzmärkten. Eine expansive Haushaltspolitik könnte die Anleiherenditen in die Höhe treiben und somit verhindern, dass das Wachstum angekurbelt wird. Experten, die schon im Wahlkampf die Pläne für die Haushaltspolitik des Kandidaten George W. Bush kritisiert hatten, sorgen sich jetzt über die potenziell unerwünschten Auswirkungen einer "expansiven" Kombination von Steuersenkungen und Ausgabenerhöhungen.

Unsere Untersuchungen haben indes ergeben, dass in den kommenden Jahren die Finanzpolitik eher gemäßigt restriktiv bleiben wird. Diese Schlussfolgerung wird auch dann noch gültig sein, wenn Präsident Bush seine Ausgabenpläne einschließlich der im Wahlkampf angekündigten Steuersenkungen umsetzt. In jedem Fall werden sich die Haushaltsüberschüsse in den nächsten Jahren erhöhen und jährlich zwischen 300 und 400 Mrd. US-Dollar betragen. Das zumindest prognostiziert die Haushaltsabteilung des US-Kongresses. Trotz Befürchtungen der Investoren, dass sich die Verlangsamung des US-Wachstums nachteilig auf den amerikanischen Bundeshaushalt auswirken und die Aktienmärkte schwächen könnte, wird der Überschuss kurzfristig wohl kaum von diesen Faktoren belastet werden. Ausgehend von einem angenommenen Wachstum des Brutto-Inlandprodukts von 3,1 % prognostiziert die Kongress-Haushaltsabteilung einen Überschuss von 268 Mrd. US-Dollar für das laufende Haushaltsjahr, das im September endet. Zwar liegen unsere Prognosen etwa um 8 Mrd. US-Dollar niedriger, aber allein die erwarteten Erlöse aus den Versteigerungen der amerikanischen UMTS-Lizenzen werden mehr als ausreichen, um potenzielle Einnahmeausfälle auszugleichen.

Im vergangenen Jahr sah sich das US-Finanzministerium auf Grund des unerwartet hohen Haushaltsüberschusses gezwungen, ein Schuldenrückkauf-Programm anzukündigen, was zu einem drastischen Rückgang der Renditen für amerikanische Staatsanleihen führte. Für das laufende Jahr ist der Fahrplan für die Begebung staatlicher Schuldverschreibungen bereits auf einen Haushaltsüberschuss von mehr als 200 Mrd. US-Dollar abgestimmt. Im kommenden Jahr wird das US-Finanzministerium den Emissionskalender enorm zusammenstreichen müssen, um eine Überfinanzierung des Budgets von 150 Mrd. US-Dollar zu vermeiden. Somit sind die Aussichten für den staatlichen Anleihemarkt in den USA viel rosiger als es die gegenwärtige Diskussion über die amerikanische Haushaltspolitik vermuten lässt.

John Lipsky ist Chefvolkswirt bei der Investmentbank J.P. Morgan & Co. mit Sitz in New York.

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