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07.01.2003

08:06 Uhr

Die Tochtergesellschaft der Sparda-Banken setzt auf weiteres Wachstum

Netbank schreibt schwarze Zahlen

VonChristian Potthoff

Allen Unkenrufen zu Trotz: Auch im Internet lässt sich Geld verdienen. Deutschlands erste reine Internetbank schreibt früher als erwartet schwarze Zahlen. Das Erfolgsgeheimnis sind eine extrem dünne Personaldecke und niedrige Kosten. Allerdings wächst die Konkurrenz durch die Filialbanken.

FRANKFURT/M. Die Netbank, der Internetarm von sechs Sparda-Banken, hat im vergangenen Jahr schwarze Zahlen geschrieben und damit die eigenen Erwartungen übertroffen. Man habe einen Gewinn in der Größenordnung von 0,2 Mill. Euro erzielt, sagte Vorstand Peer Teske dem Handelsblatt. Ursprünglich hatte das Institut, das sich als erste reine Internetbank Europas versteht, für 2002 mit einem Verlust von 3,5 Mill. Euro gerechnet.

Mit dem Erreichen der Gewinnschwelle hebt sich das Institut von den großen deutschen Online-Brokern ab, die tief in den roten Zahlen stecken. Allerdings versteht sich die 1999 gegründete Netbank ähnlich wie die weitaus größere Allgemeine Deutsche Direktbank (Diba) nicht als reiner Broker sondern als Vollbank. Der Wertpapierhandel spielt nur eine untergeordnete Rolle. Größter Ertragsbringer ist das Kreditgeschäft mit Privatkunden. Das Kreditvolumen wuchs im vergangenen Jahr von 19 auf 33 Mill. Euro. Gleichzeitig erhöhte sich die Zahl der Kunden von 24 350 auf knapp 31 000.

Das positive Ergebnis verdankt die Bank nach Angaben von Teske unter anderem Gewinnen aus Wertpapiergeschäften von rund einer Million Euro. Außerdem sanken die Kosten im Jahresvergleich um ein Fünftel. Die Bank konzentriert sich nunmehr auf das Kerngeschäft und hat E-Commerce-Angebote - etwa ein virtuelles Buchladen und ein Web-Reisebüro - aus dem Programm gestrichen. Ohnehin ist die Kostenstruktur überschaubar, da viele Finanzgeschäfte in Kooperationen mit anderen Finanzdienstleistern angeboten werden. Wertpapiergeschäfte werden beispielsweise über die ETB, eine Tochter der Deutschen Bank, abgewickelt; bei Baufinanzierungen ist die Quelle Bausparkasse der Partner.

Dank des umfangreichen Outsourcing kommt das Institut mit lediglich zehn Mitarbeitern und zwei Vorständen aus. Gerade einmal 30 % der Gesamtkosten sind Fixkosten. Am Konzept der reinen Internetbank will das Management auf jeden Fall festhalten. Investmentcenter, wie sie manche Online-Dienstleister mittlerweile betreiben, sind kein Thema. Telefonisch ist die Netbank zwar erreichbar, doch legt sie ihren Kunden nahe, den Fernsprecher nur im Ausnahmefall zu benutzen.

Für das laufende Jahr rechnet Teske mit etwa 5 000 Neukunden und einem Anstieg der Bilanzsumme auf 250 Mill. Euro. Allerdings erkennt er einen wachsenden Konkurrenzdruck: "Der Wettbewerb wird schärfer." Als größte Rivalen sieht er freilich nicht die Online-Broker sondern die klassischen Filialbanken. Diese würden ihre Internetangebote verbessern, nachdem sie das Webbanking lange Zeit verschlafen hätten.

Das Management ist bestrebt, dass mittelfristig alle 13 Sparda Banken dem Aktionärskreis beitreten. Dies würde dem Institut ein schnelleres Wachstum ermöglichen. Dagegen sind Gedankenspiele zur Aufnahme anderer Investoren, wie sie vor einiger Zeit einmal erwogen wurden, längst vom Tisch. Nach Angaben Teskes verfügt das Institut über genügend Kapital, um das weitere Wachstum zu finanzieren. Expandieren will die Netbank aus eigener Kraft. Übernahmen hält Teske derzeit für "unrealistisch".

Quelle: Handelsblatt

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