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02.06.2000

15:51 Uhr

zz WASHINGTON. Im allgemeinen Börsenboom ist es keine große Kunst, Geld zu verdienen. Wenn sich der Wind dreht, sollten private Anleger aber typische Fehler vermeiden. Die Zeitung "USA Today" hat aufgelistet, welche Fehler Investoren zum Schaden ihres eigenen Kapitals häufig machen. Die Analyse ist zwar auf den amerikanischen Markt zugeschnitten, ihre Resultate sind aber auch auf deutsche und europäische Verhältnisse übertragbar.

Meistens schätzen sich private Investoren als klüger und gescheiter ein als sie es wirklich sind. Sie glauben, den Markt besser zu kennen als andere Anleger. Sie überschätzen dabei ihre Fähigkeit, den Wert einer Aktie nach fundamentalen und charttechnischen Kriterien richtig einstufen zu können.

Anleger messen die künftigen Chancen einer Aktie zu sehr an den vergangenen Kursgewinnen. Wenn eine Aktie in einem Jahr 100 % gewonnen hat, dann muss ihre Entwicklung im nächsten Jahr keineswegs so gut sein. "Die Leute glauben, dass man die Vergangenheit einfach in die Zukunft fortschreiben kann", warnt der kalifornische Professor Schlomo Benartzi. Das gehe fast immer schief.

Private Anleger halten zu lange an verlustbringenden Aktien fest. Sie hoffen, die Verluste nicht realisieren zu müssen, sondern sie eines Tages wieder ausgleichen zu können. "Sie verleugnen dabei die Realitäten", stellt der Psychiater Ari Kiev fest, zu dessen Kunden professionelle Händler gehören. Der Seelendeuter sucht die Ursachen für eine solche Haltung im Unterbewussten: "Wir wollen einfach nicht zugeben, dass wir schief gelegen haben."

Daraus leitet der Finanzprofessor Meir Statman eine weitere typische Anlegereinstellung ab: Man will sich selbst nicht eingestehen, dass eine Investition falsch war, obwohl man eigentlich schon auf der Verliererstraße ist. "Die wenigsten wollen Verlierer sein", interpretiert Statman diese durchaus menschliche Einstellung.

Schließlich vertrauen private Anleger zu stark jenen Informationen, die sie aus den Zeitungen, dem Fernsehen oder dem Internet bekommen. Diese Informationen aber sind dann meist längst nicht mehr exklusiv.

Das Fazit aus dieser Fehleraufzählung: Private Anleger haben es nicht schwer, gute Gewinne zu machen und sich als Experten zu fühlen, wenn die Börse generell nach oben strebt. Mittlerweile aber ist es schwieriger, sein Kapital nach der alten Börsenweisheit "Steigt Butter, steigt Käse" zu investieren. Wer einmal bei einer Aktie richtig liegt, muss deshalb noch lange kein erfahrener Börsenexperte sein.

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