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04.02.2001

19:15 Uhr

Die USA setzt auf eine abgespeckte Version der alten SDI-Pläne

Krieg der Sterne – Teil Zwei

Ein Drehbuch, das in der amerikanischen Öffentlichkeit "Star Wars light" genannt wird, ist auf dem Weg, Realität zu werden. Das amerikanische Projekt einer nationalen Raketenabwehr (NMD) ist die technisch ausgereiftere Version eines Vorhabens, das schon einmal für Schlagzeilen gesorgt hatte: 1983 hatte der damalige US-Präsident Ronald Reagan das weltraumgestützte Raketenabwehrprogramm Strategic Defense Initiative (SDI) aus der Taufe gehoben.

oli DÜSSELDORF. Dahinter steckte eine einfache Idee. Amerika wollte sich einen Schutzschild schaffen, um gegen feindliche Raketenangriffe gewappnet zu sein. Dazu mussten vor allem zwei bestehende Systeme miteinander verwoben werden. Eine zuverlässige Raketenwarnung und-ortung sollte in der Lage sein, ihre Daten an eine noch zuverlässigere Waffe weiterzugeben, die die nahenden Projektile zerstören kann. Technische, finanzielle und politische Hindernisse ließen die Militärs unter Reagan jedoch nicht zum Zug kommen. 55 Mrd. Dollar wurden investiert, aber dennoch waren von bis heute 14 Testflügen nur vier erfolgreich. Als größtes Problem erwies es sich, echte Raketen von Täuschungsflugkörpern zu unterscheiden.



Weil aber eine einzige unzerstörte feindliche Rakete in den USA Zehntausende Opfer fordern würde, mussten auch die Militärs einsehen, dass eine politische Lösung effektiver sein würde. Hinzu kam, dass SDI gegen den ABM-Vertrag von 1972 verstoßen hätte, in dem sich die UdSSR und die USA verpflichtet hatten, die Zahl ihrer Startrampen und Abfangraketen auf jeweils 100 zu begrenzen. Das Pentagon legte die Pläne deswegen 1993 zu den Akten. Der Druck, sie wieder auszugraben, wuchs jedoch bereits 1998, als der heutige Verteidigungsminister Donald Rumsfeld einen Report vorstellte, in dem er auf die wachsende Gefahr durch Raketenentwicklungen der "Schurkenstaaten" hinwies. Weniger aus Angst vor diesen Entwicklungen als vielmehr, um die republikanische Mehrheit im Kongress ruhig zu stellen, genehmigte Ex-Präsident Bill Clinton daraufhin zunächst 7 Mrd. Dollar für ein neues Raketenabwehrprogramm.



Rumsfeld warnt vor einem "Weltraum-Pearl Harbour"

NMD ist eine technologisch anspruchslosere Version von SDI, die den Vorteil haben soll, nicht nur günstiger, sondern auch zuverlässiger zu sein. Der wesentliche Unterschied besteht darin, dass feindliche Flugkörper nicht schon kurz nach ihrem Abschuss von Laserkanonen aus dem Weltall zerstört, sondern vor ihrem Wiedereintritt in die Atmosphäre durch "hit to kill"-Raketen getroffen werden sollen. Ein Hochfrequenzradar verfolgt dabei den Flug der feindlichen Rakete, Satelliten steuern die Abfang-Flugkörper. Das Gehirn von NMD bildet ein System, das die Daten von Radarschirm und Satelliten in Bruchteilen von Sekunden miteinander verknüpft. NMD lässt sich durch einen mobilen Schutzschild ergänzen, der militärische Operationszonen auf Krisenschauplätzen vor Raketenangriffen schützen könnte.



Die neue Bush-Administration hat bisher keine Zweifel daran gelassen, dass sie NMD installieren will. Verteidigungsminister Rumsfeld hatte bereits seine erste Rede vor dem Kongress in Washington dazu genutzt, ein Plädoyer für den Raketenschutzschild zu halten und damit seine Forderung nach höheren Militärausgaben zu unterstreichen. Zur Begründung warnte er vor einem "Weltraum-Pearl Harbour" und bemühte damit ein amerikanisches Trauma, das ebenfalls mehr als einmal Stoff für ein Drehbuch geboten hat.

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