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27.01.2005

10:04 Uhr

Die Volksrepublik mausert sich wirtschaftlcih und politisch zur Weltmacht

China warnt die Vereinigten Staaten vor unüberlegten Schritten im Iran

VonA. Hoffbauer und C. Rabe (Handelsblatt)

China stellt auf dem WEF den amerikanischen Führungsanspruch in Frage und warnt vor einem US-Krieg gegen Iran.

HB DAVOS/PEKING. "Wir sind ernsthaft besorgt, ob aus den politischen Stellungnahmen von Präsident Bush Handlungen erwachsen", sagte Chinas Ex-Botschafter in Frankreich und Präsident der China Foreign Affairs University, Wu Jianmin, beim World Economic Forum (WEF) in Davos. "Ein Krieg wäre ein Desaster. Die Welt braucht Frieden ebenso wie China, das sich in einem historischen Wandel befindet."

Die forschen Töne aus dem Reich der Mitte zeigen, dass China in den vergangenen Jahrzehnten nicht nur wirtschaftlich zum Global Player aufgestiegen ist, sondern auch politisch deutlich an Gewicht zugelegt hat. Vor allem in Asien macht Peking den Amerikanern ihren Führungsanspruch streitig. Die USA verlieren in der Region seit dem Irak-Krieg stetig an Einfluss. Viele Asiaten trauen Washington nicht mehr. Peking hat dieses Misstrauen geschickt genutzt und ein Netz von Beziehungen zu seinen Nachbarn aufgebaut. Chinas Außenpolitik ist dabei vor allem getrieben von der Suche nach Energiequellen. Hält der wirtschaftliche Aufschwung Chinas an, braucht das Land viel Gas und Öl. Nicht nur in Taiwan, sondern im Mittleren Osten, im Iran oder Irak könnten daher zukünftig die Interessen der beiden Großmächte USA und China aufeinander prallen.

Um angesichts dieses drohenden Machtkampfes innenpolitisch fest im Sattel zu sitzen, versucht die Führung in Peking nach Einschätzung von Victor Chu, dem Vorsitzenden der Far Eastern Investment Group, derzeit neue Instrumente bei der Entwicklung des Landes einzusetzen, um die großen wirtschaftlichen und sozialen Gegensätze auszubalancieren. Wandel unter äußerem Druck lasse sich China jedoch nicht aufzwingen, sagte Fan Gang, Direktor des National Economic Research Institute in Peking. Er illustrierte seine These am Beispiel der Diskussion um die Freigabe des Renminbi: Solange der äußere Druck und die interne Spekulation hoch blieben, sei Peking wenig geneigt, Veränderungen einzuleiten.

Chinas tiefgreifender Reformprozess hat inzwischen namhafte Unternehmen von Weltrang hervorgebracht und die globale Vernetzung des Landes vorangetrieben. Innerhalb der nächsten zehn Jahre dürften sich 50 chinesische Konzerne und den globalen Top 500 befinden, sagte William Parrett, CEO des US-Beratungsunternehmens Deloitte, in Davos. Erst jüngst hatte die chinesische Firma Lenovo die PC-Sparte von IBM gekauft.

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