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02.01.2000

21:58 Uhr

Das Internet macht auch die Versicherung mobil: Verträge werden künftig einfach per PC selbst verwaltet. Alle Daten können von überall auf der Welt eingesehen und falls notwendig auch geändert werden. Noch sind es in Deutschland lediglich drei Gesellschaften, die diesen hohen Nutzwert für ihre Kunden auf ihrer Homepage eingebaut haben: die Allianz Lebensversicherung, der Gerling-Konzern und der Online-Anbieter Mamax.

"Diese Kundenkonten sind eine wegweisende Idee", sagt Volker Mücke, Geschäftsführer der Lambertz & Mücke Unternehmensberatung GmbH. "Wer künftig zu den Topunternehmen im Internet zählen möchte, kommt an diesem Service nicht mehr vorbei", prognostiziert der Berater aus Aachen, der die Webauftritte von über 100 Versicherern auf Herz und Nieren geprüft hat. Solche Mehrwertangebote holen die Versicherungsnehmer immer wieder auf die Internetseite zurück und sorgen für eine enge Kundenbindung.

Fazit des gesamten Internetrankings: Die Servicequalität vieler Anbieter hat sich seit dem vorigen Jahr weiter verbessert. So bieten rund 42 Prozent der untersuchten Unternehmen einen Tarifrechner auf ihrer Homepage an, 30 Prozent ermöglichen einen Antrag, und bei 26 Prozent kann man online bezahlen. Ganz stark im Kommen sind umfassende Serviceangebote. Rund 65 Prozent der Unternehmen ermöglichen auch Adressänderungen, Schadenmeldungen oder Rückrufbitten.

Doch gerade die neuen Kundenkonten haben noch ihre Macken. So gibt es das Allianz-Angebot unter der eigenen Website "www.aos.de" bisher nur für den Bereich Lebens- und Rentenversicherung. Wer bei der Allianz Sachverträge abgeschlossen hat, surft in Sachen Kundenkonto bisher ins Leere. Bei Gerling ist man zwar schnell auf den richtigen Zug gesprungen, mit der Umsetzung hapert es jedoch. So konnte ein Testkonto erst nach einigen vergeblichen Versuchen eingerichtet werden. Und eine Berechnung der Entwicklung der Lebensversicherung ist online nicht möglich. Anfänglich lief auch die Datenbank nicht.

Ein Fiasko erlebte die neue Mamax. Die Online-Versicherung war während der Untersuchung von Lambertz & Mücke tagelang "offline", und das Kundenkonto existiert bisher scheinbar nur als Demo-Version. Insgesamt mussten die drei progressiven Anbieter so bei der Bewertung ihrer Online-Auftritte Federn lassen. Immerhin erzielten die Allianz Lebensversicherung und der Gerling-Konzern ein "gut". Abgeschlagen erreichte die Mamax nur noch die Gesamtnote "befriedigend".

Mit "sehr gut" schnitten die Deutsche Allgemeine und die Victoria ab. Für Axel Schmitz, Chef der Deutschen Allgemeinen, ist dies gut für den Haussegen. Denn der Versicherer war ins Kreuzfeuer der Öffentlichkeit geraten, weil zeitweilig Kundendaten im Netz für jedermann einsehbar waren. Und dies, obwohl die Deutsche Allgemeine den allseits gelobten Sicherheitsstandard SSL (128-Bit-Verschlüsselung) für die Internetkommunikation mit ihren Kunden benutzt. Doch sollen die Informationen nach der Übertragung unsicher abgespeichert worden sein. Mittlerweile ist die Datenpanne behoben, und die Kunden können wieder nach Herzenslust auf den Internetseiten der Assekuranz surfen und die exzellente Darbietung genießen. Bei Angebot, Service und Präsentation erreichen Deutsche Allgemeine und Victoria mit ihren Auftritten die höchste Punktzahl. "Hier wird einem Interessenten und Kunden einfach alles geboten", sagt Experte Mücke.

Doch nicht alle Unternehmen heimsen Lob ein. So hebt sich das Angebot der Skandia-Versicherung zwar immer noch von anderen ab. Grund ist hier allein die "Call-Back-Funktion". Nutzen kann sie nur, wer über eine zweite Telefonleitung (ISDN; Handy) verfügt. Er wird von der Skandia zurückgerufen, und es erfolgt ein Abgleich der Bildschirme zwischen Kunde und Berater - beide sehen dann die gleichen Inhalte. Ein hervorragendes Konzept für die Beratung zur Altersvorsorge. Leider bietet die Skandia neben einigen Produktinfos kaum aktuelle Inhalte an. Insgesamt erhielt die Versicherung daher ein "mangelhaft" für ihren Web-Auftritt.

Wie fahrlässig manche Unternehmen immer noch mit dem Netz umgehen, zeigt das Beispiel des Online-Versicherers Ineas. Angeboten werden zwar viele Tarifrechner, doch die Bedienung ist laut Lambertz & Mücke "fast schon nervig". Immerhin erzielte der Versicherer, der allein über seine Homepage verkauft, noch ein "befriedigend". Ganz schlecht schnitten hingegen die WWK Versicherung, die Gerling-Tochter E&L, die Ideal Versicherung und die Patria ab. Ein "Klick" auf diese Seiten sollte sich der Kunde daher besser ersparen.

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