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09.01.2001

19:43 Uhr

dri BERLIN. Die Prognose war präzise: Schon im Sommer sagte Telekom-Regulierer Klaus-Dieter Scheurle voraus, dass es am Ende des Jahres 2000 in Deutschland 48 Millionen Mobilfunkkunden geben werde. Nach den Angaben der vier Mobilfunknetzbetreiber wurde nach einem Endspurt in der Kundenwerbung im Weihnachtsgeschäft ziemlich genau diese Kundenzahl erreicht. Damit stellen die Handybesitzer erstmals in Deutschland mit 60 % die Mehrheit der Bevölkerung.

Die Zahl der Mobilfunkkunden hat sich damit innerhalb eines Jahres verdoppelt. Die Zahl von 48 Millionen Handys übersteigt erstmals auch die Zahl der Festnetzanschlüsse: davon gibt es Deutschland 40 Millionen. Allerdings hängen an einem Anschluss häufig mehrere Telefone, etwa bei ISDN-Anschlüssen und Telefonanlagen in Unternehmen.

Nach wie vor telefonieren vier von fünf Handy-Besitzern in den 1990 gestarteten D-Netzen. Marktführer D2-Vodafone kommt auf 19,2 Millionen Kunden, die Telekom-Tochter T-Mobil (D1-Netz) auf 19,1 Millionen Kunden. Der Vorsprung von D2 vor T-Mobil ist damit ein wenig kleiner geworden.

Allerdings hat T-Mobil die forcierte Aufholjagd im vergangenen Jahr über hohe Handysubventionen teuer bezahlt und in den ersten neun Monaten des Jahres 2000 mit einem Minus von 1,3 Mrd. Euro tiefrote Zahlen geschrieben.

E-Plus, der einzige Mobilfunknetzbetreiber, der im Jahr 2000 seinem Mehrheitsaktionär KPN steigende Gewinne bescherte, bezahlte dies mit Marktanteilsverlusten. Ende Juni nannte Scheurles Regulierungsbehörde noch 14,7 % als Marktanteil von E-Plus. Der Anteil sank auf jetzt 13,8 %.

Diese Entwicklung lasten E-Plus-Manager nach Handelsblatt-Informationen der neuen Mutter KPN an: Sie habe mit ihrer Forderung nach höheren Gewinnen im wichtigsten Jahr des Mobilfunk-Marktwachstums in Deutschland die langfristige Position von E-Plus als starker Herausforderer der D-Netzbetreiber verschenkt, so die interne Kritik hochrangiger Manager.

Viag Interkom, die erst Ende 1998 mit dem E2-Netz in den Markt startete, steigerte die Zahl der Kunden nach Aussage eines Sprechers auf "mehr als 3 Millionen" und erfüllte damit die eigene Prognose. Die genaue Kundenzahl will das Unternehmen allerdings erst Ende Januar mit der Veröffentlichung der Jahres-Umsatzzahlen nennen.

Trotz der mit 48 Millionen Teilnehmern hohen Nutzerzahl ist auch im Jahr 2000 die Mobilfunk-Euphorie in Deutschland geringer geblieben als in vielen anderen EU-Ländern. Italien und in den skandinavischen Ländern liegt der Anteil der Handynutzer seit längerem weit über 70 % der Bevölkerung, in Großbritannien erreicht er 67 %. Nach den Erfahrungen in Skandinavien wird sich in Deutschland das Mobilfunk-Marktwachstum in diesem Jahr voraussichtlich verlangsamen.

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