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28.01.2001

15:44 Uhr

DÜSSELDORF. Das waren das für Zeiten: Kaum ein Jahr ist es her, da wurde die E-Economy noch euphorisch gefeiert. Heute sieht alles viel düsterer aus, etliche Dotcoms haben eine Bruchlandung erlebt. Rund um den Globus wird die bange Frage gestellt, ob die schwächelnde amerikanische Wirtschaft sogar in eine Rezession abstürzen könnte. Noch gibt es dafür keine stichhaltigen Belege, aber die Unsicherheit nimmt zu. Das lässt sich an den Geschäftsklima-Indikatoren rund um den Globus ablesen und wurde auch beim Weltwirtschaftsforum in Davos spürbar.

Viele Fragen, kaum Antworten. In Stereotypen ergehen sich die meisten Politiker, wenn es um Lösungsansätze für die angeschlagene Weltwirtschaft oder die Auswirkungen der Globalisierung geht. Die meisten setzen auf die Vernunft der Opec und der Fed. Wenn die Golfstaaten kein Öl ins Feuer gießen und die Preise stabil halten und der amerikanische Notenbankchef Alan Greenspan die US-Zinsen um einige Basispunkte senken würde, so die stille Hoffnung, dann könnte das Gröbste wohl vermieden werden.

Eine womöglich trügerische Hoffnung. Denn die Weltwirtschaft braucht mehr als nur kurzfristig wirksame Instrumente. Notwendig ist eine konzertierte makroökonomische Aktion der Triade USA-Japan-Europa, um einen Impuls für nachhaltiges Wachstum zu geben. Das betrifft die Geld-, die Fiskal- und die Handelspolitik. Noch aber wird mehr in regionalen als in globalen Dimensionen gedacht. Das verschleppt die Erholung.

In Japan ist ein radikales geld- und fiskalpolitisches Umdenken erforderlich, um neue Nachfrage zu stimulieren. Tokio trägt eine Verantwortung, die bis weit in die Tigerstaaten und die ärmeren Länder Asiens reicht. Ihr Wohl und Wehe hängt eng mit dem Markt Japans zusammen. Doch die japanische Regierung beschränkt sich auf bestenfalls halbherzige Reformen des Finanz- und Unternehmenssektors.

Ebenso wie Japan ist Europa gefragt. Das Polster von drei Prozent Wirtschaftswachstum ist relativ dünn. Zu dünn jedenfalls, als dass man es sich leisten könnte, weitere Strukturreformen und Deregulierungen zu verschleppen. Der ehemalige US-Finanzminister Larry Summers mokiert sich zu Recht über die Europäer: Wenn drei Prozent Wachstum schon als "phantastisches Ereignis" gefeiert würden, spottet er, verbergen sich dahinter wohl etliche Strukturprobleme.

Alles steht, alles fällt jedoch mit den USA. An die in Davos durch Abwesenheit glänzende Supermacht richten sich die bohrendsten Fragen. Nur wenn Greenspan und der neue Präsident Bush mit einer wohl dosierten Prise Geld- und Steuerpolitik die richtigen Signale setzen, wenn Washington die richtige Entscheidung über die Verwendung der Budgetüberschüsse fällt, wenn Bürger und Unternehmen einen Weg aus der Schuldenspirale finden, kommt der Nachfragemotor wieder in Gang.

Sinnvoll wäre es aber, wenn die USA ihr Gewicht auch in der Handelspolitik in die Waagschale werfen würden. Freihandel schafft Wachstum und Arbeitsplätze. Und so kann eine Revitalisierung des in Seattle so grandios gescheiterten Versuchs, eine neue Welthandelsrunde einzuläuten, auch dazu beitragen, der Weltwirtschaft neue Dynamik zu verleihen. Gerade unter diesem Aspekt ist eine Verständigung der Triade untereinander und mit den Entwicklungsländern dringend erforderlich.

Nur wenn der Blick über den Tellerrand auf das Gesamtwohl gerichtet wird, wenn partikularistische Interessen nicht überwiegen, kann neues Wachstum erzeugt, kann die Kluft in der Welt überwunden werden. Noch allerdings fehlt mancherorts der politische Wille, von altem Denken Abstand zu nehmen. Vielleicht schafft die neue US-Regierung ja diese Wende.

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