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16.01.2001

16:43 Uhr

Differenzen zwischen den Verhandlungspartnern

Kirch und EM.TV uneins über Stand der Verhandlungen

Während Kirch nahe stehende Verhandlungskreise einen Abbruch der Gespräche nicht ausschließen wollten, betrachtet EM.TV-Chef Thomas Haffa den erfolgreichen Abschluss mit Kirch nicht als gefährdet.

Reuters MÜNCHEN/MAINZ. Die Kirch-Gruppe und ihr Verhandlungspartner EM.TV sind sich uneins über den Stand ihrer Gespräche über einen Einstieg des Medienkonzerns bei der EM.TV & Merchandising AG. Während Kirch nahe stehende Verhandlungskreise auch am Dienstag einen Abbruch der Gespräche nicht ausschließen wollten, betrachtet EM.TV-Chef Thomas Haffa den erfolgreichen Abschluss mit Kirch nicht als gefährdet. Von einem Scheitern der Verhandlungen könne keine Rede sein, sagte Haffa in Mainz. Dagegen hieß es in den Kreisen, EM.TV wisse sehr wohl über die kritische Lage Bescheid. Haffa gab erstmals zu, im Februar 2000 Aktien ohne Erlaubnis der Banken verkauft zu haben.



"EM.TV weiß sehr wohl, dass es auf Messers Schneide steht", hieß es in Verhandlungskreisen gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters. Dies habe Kirch EM.TV in zwei Briefen vom Sonntag und Montag unmissverständlich klar gemacht. Auch ein Kirch-Sprecher bekräftigte, dass die Gespräche nach wie vor in einer kritischen Phase seien. Zum Ergebnis von internen Beratungen bei Kirch am Montagabend wollte er keine Stellung nehmen. Dagegen zeigte sich EM.TV-Sprecher Michael Birnbaum erstaunt über diese Äußerungen und sagte. "Wir haben angesichts der kursierenden Gerüchte ein Fax von Kirch erhalten, dass sie weiter verhandeln wollen." In den Kreisen hatten es geheißen: "Die Verhandlungssituation ist so verfahren, dass ein Abbruch der Gespräche möglich erscheint."



Haffa zuversichtlich

Haffa sagte in Mainz, er sei weiter zuversichtlich für den Abschluss der Verhandlungen über den Einstieg. Kirch habe noch am Montag den Willen zum Ausdruck gebracht, die Gespräche zu einem positiven Ende zu bringen. Anfang Dezember war vereinbart worden, dass sich Kirch mit bis zu 16,74 Prozent der Anteile und 25,1 Prozent der Stimmen an EM.TV beteiligen solle. Im Gegenzug soll EM.TV die volle Kontrolle über das Gemeinschaftsunternehmen "Junior TV" erhalten, in dem es um Kinder-Fernsehprogramme geht. Bedingung für den Vertragsabschluss ist aber eine eingehende Unternehmensprüfung bei EM.TV ("Due Diligence"), die Ende Januar oder spätestens im Februar beendet sein soll. "Wir wollen das Ganze über die Bühne kriegen", betonte EM.TV-Sprecher Birnbaum.



Birnbaum bekräftigte aber auch, es gebe weitere Investoren, die an einem Einstieg bei EM.TV interessiert seien. Mit diesen werde aber vereinbarungsgemäß bis zum Ende der Gespräche mit Kirch nicht verhandelt.



Bei den Differenzen zwischen EM.TV und Kirch geht es Kreisen zufolge um die Bewertung der Formel-Eins-Beteiligung und weiterhin um die Rolle des EM.TV-Aufsichtsratschefs Nickolaus Becker, dem die Blockade der Verhandlungen vorgeworfen wird. "Ich weiß nichts von einem Widerstand gegen Becker", sagte Haffa dazu. In EM.TV-Kreisen hieß es unterdessen, die Kirch-Gruppe habe noch keinen Nachweis für die Finanzierung der Formel-Eins-Anteile TV vorgelegt, die Kirch für 550 Millionen Dollar zu 49 Prozent übernehmen will.



Kirch an Formel Eins interessiert

Um weitere 25 Prozent an der weltweiten Rennsportserie von deren Organisator Bernie Ecclestone zu erwerben, muss EM.TV bis Juli knapp eine Milliarde DM aufbringen. Diese Belastung hatte das Unternehmen unter anderem zur Suche nach einem finanzstarken Partner veranlasst. Kirch interessiert sich vor allem für die Übertragungsrechte an der Formel Eins.



Der nicht genehmigte Verkauf von 200 000 EM.TV-Aktien durch deren Vorstandschef im Februar 2000 wird zunächst keine unmittelbaren Folgen für Thomas Haffa haben. Er gab am Dienstag zu, dafür keine Erlaubnis gehabt zu haben. "Ich hatte mich verpflichtet, keine Aktien zu verkaufen. Hier ist mir ein Fehler unterlaufen", sagte Haffa am Rande eines Verfahrens gegen den Frankfurter Börsenjournalisten Egbert Prior in Mainz, zu dem er als Zeuge geladen war. Institutionelle Investoren hätten ihn gedrängt, die Papiere zu verkaufen. Diese unterlagen nach Angaben der WestLB nach einer Kapitalerhöhung im November 1999 zum Zeitpunkt des Verkaufs im Februar 2000 jedoch noch einer "Marktschutzklausel" gegenüber den Banken. Sanktionen für einen Verstoß seien im Börsenprospekt aber nicht enthalten, sagte ein Sprecher des Düsseldorfer Instituts. Vor zwei Wochen hatte EM.TV beteuert, die WestLB habe von dem Aktienverkauf gewusst.



Zu Verzögerungen kommt es offenbar auch bei zumindest einem Zeichentrickfilm-Projekt, das EM.TV zusammen mit dem Medienfonds Victory Media AG finanzieren wollte. Victory-Gründer und-Chef Franz Landerer bestätigte, dass aus seinem Fonds im vergangenen Jahr nur 25 Millionen DM in das Projekt geflossen seien. Victory hatte sich im Dezember 1999 verpflichtet, über fünf Jahre je 100 Millionen DM zu leisten. Die Zusammenarbeit sei 2000 noch in der Anlaufphase gewesen, sagte Landerer. Überdies seien für den auf 220 Millionen DM angelegten Fonds nur 161 Millionen eingezahlt worden. Die Projekte seien aber nur verschoben, sagte Landerer. Derzeit liefen Verhandlungen mit EM.TV über das Vorgehen. Mit dem Geld aus dem Fonds sollte ein Drittel der Produktionskosten von 20 Zeichentrickfilmen im Jahr gesichert werden.

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