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06.08.2000

17:39 Uhr

Diplomaten bezeichnen Angebot als  "lächerlich"

Milosevic will angeblich Briten gegen Haager Angeklagte austauschen

Der jugoslawische Präsident Slobodan Milosevic will die zwei festgenommenen Briten und zwei Kanadier möglicherweise gegen Häftlinge des UN-Kriegsverbrecher-Tribunals eintauschen.

dpa BELGRAD/LONDON. Das berichtete die Londoner "Sunday Times" unter Berufung auf westliche diplomatische Quellen. Milosevic habe den Austausch über loyale Drittländer angeboten. Diplomaten hätten das Angebot als "lächerlich" bezeichnet. Milosevic ist vom Tribunal in Den Haag selbst als Kriegsverbrecher angeklagt worden.

Die beiden Briten, Mitarbeiter der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE), waren in der Nacht zum Mittwoch zusammen mit zwei Kanadiern in der Teilrepublik Montenegro von der jugoslawischen Armee festgenommen worden. Belgrad wirft den Ausländern vor, Spione und Terroristen zu sein.

Trotz der Spionagevorwürfe haben die jugoslawischen Behörden einen Besuch britischer Diplomaten bei den zwei festgenommenen OSZE - Mitarbeitern grundsätzlich erlaubt. Einen Termin für den geplanten Besuch gebe es aber noch nicht, sagte ein Sprecher des Außenministeriums am Samstag in London. Die OSZE in Wien, das britische Außenministeriums sowie UN-Generalsekretär Kofi Annan hatten gegen die Festnahmen protestiert.



Verärgerung über die Briten



Nach Informationen der "Sunday Times" herrscht innerhalb der OSZE große Verärgerung über das Verhalten der beiden Briten, die keine Erlaubnis gehabt hätten, vom Kosovo aus zu einem Kurzurlaub nach Montenegro zu fahren. "Durch eine idiotische Aktion haben sie einer Menge Leuten große Probleme bereitet", wurde eine Quelle aus der Organisation zitiert. Gerade rechtzeitig vor den Wahlen in Jugoslawien (Serbien, Montenegro) im September könne Milosevic die OSZE-Mitarbeiter nun als angeblichen Beweis dafür vorführen, dass der Westen Terrorismus und Separatismus im pro-westlich eingestellten Montenegro fördere.

Montenegros stellvertretender Premierminister Dragisa Burzan bezeichnete Milosevics Vorwürfe gegen die vier Festgenommenen in einem Interview mit dem "Sunday Telegraph" als "absolut lächerlich". Burzan sagte: "Milosevic entführt bewusst Leute aus dem Westen, um die NATO an einem Eingreifen zu hindern und als Aggressor hinzustellen, so dass er sich den Wählern als Verteidiger Serbiens präsentieren kann." Auf montenegrinischem Boden waren in den vergangenen Tagen insgesamt acht Ausländer festgenommen worden.

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