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15.01.2003

12:51 Uhr

Diplomatische Bemühungen um Nordkorea

USA und China beraten über Atomprogramm

Vertreter der USA und Chinas haben am Mittwoch über die Krise um das nordkoreanische Atomwaffenprogramm beraten. US-Präsident George W. Bush hatte Nordkorea zuvor Lebensmittel- und Energiehilfen für den Fall in Aussicht gestellt, dass das Land das Programm aufgibt.

Reuters PEKING. Der US-Sondergesandte für Asien, James Kelly, traf in Peking mit Vize-Außenminister Li Zhaoxing zusammen. China hatte sich zuvor für direkte Gespräche zwischen den USA und Nordkorea ausgesprochen und sich als Gastgeber angeboten.

Nordkorea verlangt Verhandlungen mit den USA, bei denen es um einen Nichtangriffspakt gehen soll. Außerdem erwartet das ökonomisch fast völlig ruinierte Land weitere Wirtschafthilfe. Nach US-Angaben hatte Nordkorea im Oktober eingeräumt, dass es vertragswidrig sein Atomwaffenprogramm fortgesetzt hat. Nordkorea bestreitet ein solches Eingeständnis. Die USA stellten als Reaktion zugesagte Heizöllieferungen ein, worauf Nordkorea die Wiederinbetriebnahme eines stillgelegten Atomreaktors ankündigte, Inspektoren der Uno auswies, den Atomwaffen- Sperrvertrag kündigte und neue Tests von Langstreckenraketen in Erwägung zog. Auf diplomatischem Parkett laufen seitdem intensive Bemühungen, diesen Konflikt beizulegen.

Bush rechnet mit einer friedlichen Lösung

Bush sagte dazu am Dienstag, wenn Nordkorea auf sein Atomwaffenprogramm verzichte, werde er wieder sein Gesprächsangebot über Hilfslieferungen in Erwägung ziehen. "Wir erwarten, dass sie keine Atomwaffen entwickeln", sagte Bush an die Regierung in Pjöngjang gerichtet. "Wenn sie das tun - es ist ihre Entscheidung - werde ich die kühne Initiative wieder in Erwägung ziehen, von der ich gesprochen hatte", fügte er mit Blick auf sein Gesprächsangebot über Hilfen hinzu. "Ich bin völlig davon überzeugt, dass diese Frage friedlich gelöst werden wird", sagte Bush. Die USA seien bereit, mit Nordkorea zu sprechen, würden sich jedoch nicht erpressen lassen. Eine Agenturmeldung, wonach Bush Nordkorea Sicherheitsgarantien vorgeschlagen habe, dementierte die US-Regierung umgehend.

Zukunft des Reaktorprojekts in Nordkorea noch offen

Wie die Hilfe der USA aussehen könnte, ist bislang unklar. Neben den Heizöllieferungen hatten die USA zugesagt, zusammen mit Südkorea und Japan zwei Leichtwasser-Reaktoren in Nordkorea zu bauen. In ihnen entsteht anders als in dem umstrittenen nordkoreanischen Reaktor kaum waffentaugliches Plutonium. Der Bau der Reaktoren liegt aber schon lange hinter dem Zeitplan zurück, was Nordkorea als Vertragsbruch interpretiert hatte. Der erste Reaktor sollte 2003 fertig werden. Falls das Projekt fortgesetzt würde, wären die Reaktoren nach Aussage von Experten nicht vor 2009 fertig. Ob sie überhaupt gebaut werden, ist allerdings noch unklar. Aus US-Regierungkreisen verlautete, das Projekt sei tot. Außenminister Colin Powell sagte jedoch, eine formale Entscheidung darüber sei noch nicht gefallen.

In der Zwischenzeit wären konventionelle Energieangebote an Nordkorea denkbar, wie Öllieferungen oder ein Stromverbund mit Südkorea, das seine Politik der Annäherung an Nordkorea fortsetzen will. Ein nächstes Treffen auf Ministerebene ist vom 21. bis 24. Januar in der südkoreanischen Hauptstadt Seoul vereinbart. Bei diesen Treffen ist bislang vor allem über Wirtschaftsfragen diskutiert worden. Diesmal soll auch der Atomstreit thematisiert werden, teilte das südkoreanische Ministerium für Wiedervereinigung mit.

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