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28.06.2000

19:04 Uhr

Direktbroker leidet unter Schwäche der Internet-Werte und hauseigenen Problemen

Comdirect vor dem Fall unter den Emissionspreis

VonFELIX SCHÖNAUER

Die Aktie der Comdirect kämpft mit der Marke von 31 Euro. Die wichtigste Perle der Commerzbank droht nun, einige Kratzer zu bekommen...

DÜSSELDORF. Wenn eine Aktienemission nicht gut läuft, bedeutet das für die am Börsengang Beteiligten einen Imageschaden. Wenn der Konsortialführer ein hauseigenes Institut schlecht an der Börse platziert, wird es für ihn unangenehm.

Die Aktie der Comdirect Bank AG läuft nicht gut. Nach einem Hoch von fast 39 Euro gleich nach ihrer Platzierung Anfang Juni fiel die Aktie in den vergangenen Wochen um mehr als 20 %. Seit einigen Tagen stagniert das Papier nun in der Nähe der magischen Emissionsgrenze, mit einem an die Echternacher Springprozession erinnernden Kursverlauf: An einem Tag zwei Cents vor, am nächsten drei zurück. Gestern vormittag landete die Aktie zum zweiten Mal bei ihrem Zuteilungspreis von 31,00 Euro. Dass die Commerzbank ihre Tochter nur mit Mühe und Stützungskäufen über dem Emissionspreis hält, steht nach Ansicht von Händlern außer Frage.

Internet-Werte sind momentan out

Der Kurs des Brokers schwächelt nicht ohne Grund. Internet-Werte sind momentan out. Auch der Hype um die Direktbroker lässt in jüngster Zeit ebenso nach wie vermutlich deren Wachstumsraten im laufenden Quartal. Die Direkt Anlage Bank und noch stärker Consors leiden seit April ebenfalls unter der erklärbaren Schwäche. Bei Comdirect aber kommen andere Faktoren dazu: Positive Nachrichten im Vorfeld des Börsengangs wie die Kooperation mit T-Online oder der Kauf der französischen Paresco-Bourse haben die Erwartungen stark erhöht. Seit dem IPO ist es relativ still geworden. "Für Comdirect sehe ich mehr Risiko nach unten als Potenzial nach oben", sagt deshalb Bankenanalyst Alexander Hendricks von ABN Amro. Geschmerzt hat den Direktbroker auch der Rückzug von T-Online im Bieterstreit um den größten britischen Internet-Provider Freeserve. Eine Übernahme des Anbieters mit knapp zwei Millionen Kunden hätte die Bekanntheit des jüngst in England eingestiegenen Online-Brokers drastisch beschleunigt. "T-Online ist das Asset für die Comdirect", sagt Hendricks. So leitet T-Online hier zu Lande jede Brokerage-Anfrage seiner Kunden direkt an Comdirect weiter. Es scheint sich zu rächen, was Analysten bereits bei der Emission mokierten. War schon die Bookbuilding-Spanne von 25 bis 31 Euro aggressiv hoch, beurteilten manche den Emissionspreis am oberen Ende der Spanne als sehr gewagt. Damals schienen sich zwar die Internet-Werte zu erholen, das Marktumfeld blieb aber volatil. Beobachter sprachen damals von einem gerechten Preis von 27 Euro. "Es war gleich klar, dass die Comdirect-Aktie kein Zockerpapier ist", heißt es nun bei der Comdirect. "Entscheidend wird sein, wie sich der Markt weiter entwickelt."

Kursverfall ist nach Meinung der Analysten noch nicht zu Ende

Nach Ansicht von Analysten ist der Kursverfall noch nicht zu Ende. Den fairen Wert der Comdirect sieht Reiner Osbild von WestLB Panmure bei lediglich 27 oder 28 Euro. Verglichen mit den anderen Brokern sei das Papier überbewertet. Der jetzige Preis sei nur berechtigt, wenn Comdirect noch einen weiteren Deal in der Hinterhand habe. Fällt die Comdirect in nächster Zeit unter den Emissionspreis, wirkt sich das doppelt negativ auf die Commerzbank aus. Zum einen wirft es kein gutes Licht auf eine Bank, wenn sie nicht einmal ihre eigene Tochter im Markt langfristig erfolgreich platzieren kann. Mit dem Kursverfall verringert sich zudem der Wert des wichtigsten Assets. Das verringert auch die Handlungsmasse bei den Verhandlungen mit dem potenziellen Fusionspartner Dresdner Bank.

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