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05.05.2003

09:30 Uhr

Discounter expandiert mit hohem Tempo

Aldis Konkurrent Lidl macht Druck

Lidl-Lebensmittelmärkte gibt es in Deutschland an fast jeder Ecke. Im vergangenen Jahrzehnt expandierte der Discounter auch in die meisten Länder Europas und ist dort inzwischen breiter aufgestellt als der Hauptkonkurrent Aldi.

HB/dpa NECKARSULM. In der Branche gilt Lidl als besonders aggressiv. Doch darüber hinaus ist nur wenig bekannt über das Unternehmen. Während Aldi sich in den vergangenen Jahren etwas geöffnet hat, dringt aus der Lidl-Zentrale im schwäbischen Neckarsulm kaum eine Information nach außen. Dafür hat sich der Lebensmittel-Riese den Spitznamen "Geheimniskrämer" eingehandelt.

Lidl ist Teil des Imperiums von Dieter Schwarz (63), einem verschlossenen Unternehmer, der als einer der reichsten Männer Deutschlands gilt. Zu dem Konzern, der Nummer fünf im deutschen Lebensmittelhandel, gehören auch die Großflächen-Märkte Kaufland und Handelshof. Sie werden allerdings getrennt von der Discount-Sparte geführt. Den Gesamtumsatz für 2001 beziffert die Schwarz-Gruppe selbst auf mehr als 23 Mrd. ?, die Zahl der Mitarbeiter liegt bei rund 75 000. Trotz der Konsumflaute konnten die Lidl-Märkte nach Branchenangaben im vergangenen Jahr im Inland um 13 % zulegen und gehörten damit neben Aldi zu den Profiteuren der Krise.

"Unser Grundprinzip und der Schlüssel unseres Erfolgs ist die Einfachheit", teilt Lidl auf seiner Internet-Seite mit. Alles soll möglichst preiswert sein. Aldi setzt bei seinen Aktionen auf feste Partner wie zum Beispiel den Elektronikprodukte-Anbieter Medion. Für Lidl zähle allein das billigste Angebot, beklagen Lieferanten des Unternehmens. Doch mit seiner Marktmacht sitzt der Konzern am längeren Hebel. "Jeder stöhnt über den bösen Lidl, aber am Ende wollen alle mit dabei sein", berichtet ein Branchenkenner.

Wie Lidl seine rasante Expansion im Ausland finanziert und ob das Unternehmen gute Renditen erzielt, bleibt der Spekulation überlassen. Bitten um Interviews werden entweder nicht beantwortet oder mit dem Hinweis abgelehnt, Lidl diskutiere "unternehmensinterne Entscheidungen aus grundsätzlichen Erwägungen nicht in der Öffentlichkeit".

Entstanden ist die Firma 1930 unter Dieter Schwarz' Vater Josef, der damals in die Südfrüchte Großhandlung Lidl & Co. in Heilbronn einstieg. Den ersten Lidl-Discount-Markt eröffnete der Junior 1973 in Ludwigshafen und kaufte dazu einem pensionierten Lehrer die Namensrechte ab. Heute liegt die Zahl der Filialen bei weit über 4000.

Lidl ist in Dutzende Gesellschaften mit eigenen Geschäftsführern aufgespalten, Läden und Lager operieren getrennt. Bei dem Versuch, Betriebsräte in den Filialen zu gründen, hat sich die zuständige Gewerkschaft ver.di an dieser Konstruktion bereits die Zähne ausgebissen. Auch die neuen Veröffentlichungspflichten für Kapitalgesellschaften konnte Lidl mit Unterstützung findiger Rechtsanwälte bisher umgehen.

In Europa sucht Lidl ständig neue Grundstücke zum Kauf oder zur Miete. Branchenbeobachter vermuten, dass das Unternehmen bald den amerikanischen Markt ins Auge fassen könnte. "Für Lidl spielt es keine Rolle, ob Aldi schon dort ist", meint Herbert Kuhn von der Unternehmensberatung M+M Eurodata. Mit dem Ehrgeiz eines jüngeren Bruders versuche das Unternehmen, die bewährten Methoden des Vorreiters zu imitieren und sich immer neue Märkte zu erschließen. Ob die riskante Strategie tatsächlich aufgeht oder eines Tages in der Pleite enden könnte, weiß vermutlich nur Dieter Schwarz selbst.

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