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26.01.2005

18:27 Uhr

Diskussionsteilnehmer fordern Umsetzung des Kyoto-Protokolls

Klimaschutz kostet kaum Wohlstand

Manager, Wissenschaftler und Umweltschützer sehen sich gemeinsam in der Verantwortung, für einen besseren Schutz des Weltklimas zu sorgen. Teilnehmer des Davoser Weltwirtschaftsforums zeigten sich am Mittwoch einig, dass die gesellschaftlichen Gruppen die zögernden Regierungen in entscheidenden Ländern zum Handeln treiben müssen.

Dih DAVOS. Der beste Weg zum Kampf gegen die Erderwärmung sei allerdings ein globales Regelwerk wie das Kyoto-Protokoll. In diesem haben sich zahlreiche Länder verpflichtet, ihre Emissionen klimaschädlicher Stoffe zu reduzieren. Entscheidende Akteure fehlen allerdings, so die USA als weitaus größter Emittent von Kohlendioxid.

"Wenn es nicht gelingt, die USA, China und Indien, aber auch Brasilien und Malaysia einzubinden, dann reicht eine globale Initiative nicht weit genug", warnte John Holdren, Umweltpolitik-Experte der Harvard-Universität. Dennoch müssten die Unterzeichner des Kyoto-Protokolls ihre Anstrengungen fortsetzen. "Ich fürchte, dass die Welt gerade verpasst, ein Problem zu lösen, das absolut lösbar ist", sagte J. Adair Turner, Vize-Chairman von Merrill Lynch Europe. Technologisch wie finanziell sei eine drastische Reduzierung des Kohlendioxid-Ausstoßes machbar. Auch die Wohlstandsverluste hielten sich im Rahmen: "Wir reden von zwei bis drei Prozent des Bruttoinlandsprodukts als Kosten", schätzte der Banker. "Das heißt, wir würden dann eben das Wohlstandsniveau, das wir 2050 erreicht hätten, erst 2051 schaffen."

Die größten Widerstände sahen die Teilnehmer der Davoser Diskussionsrunde in den USA. Turner kritisierte eine unheilige Allianz von Verhinderern: Auf der einen Seite drohten Teile der Wirtschaft den Bürgern, für wirksamen Klimaschutz müssten sie den "American way of life" aufgeben. Auf der anderen Seite gebe es Umweltschützer, die den Klimaschutz instrumentalisieren wollten, um ihre Landsleute aus moralischen Gründen genau dazu zu zwingen.

Trotz der steigenden Energiekosten, die sich daraus ergäben, unterstützen viele Unternehmen einen wirksamen Klimaschutz. "Wir können nicht warten, bis die Politik handelt", sagte Daniel Gagnier, Vizepräsident des kanadischen Aluminiumherstellers Alcan. Der Konzern habe 1990 sein Programm zur Reduzierung von Emissionen begonnen und inzwischen alle üblichen Reduzierungsziele übertroffen. Turner warnte jedoch davor, von der Wirtschaft zu viel Pioniergeist zu verlangen. Schließlich könne es sich kein Unternehmen leisten, radikal die Emissionen zu reduzieren, wenn es anschließend deutlich teurer produziere als seine Konkurrenten.

Die vom Bestseller-Autor Michael Crichton ausgelöste neue Debatte, ob der Klimawandel wirklich stattfinde, wiesen alle Teilnehmer zurück. "Der Klimawandel kann nicht ernsthaft bestritten werden", sagte Jacques Aigrain, Vorstandsmitglied des Versicherungskonzerns Swiss Re. Er wies darauf hin, dass die Erderwärmung nicht nur die Küstenregionen bedrohe, zu Hitzewellen und Wasserknappheit führen werde, sondern auch Sekundäreffekte mit sich bringe. So drohten sich Schädlinge und Seuchen auszubreiten. "Die Skeptiker des Klimawandels werden schon bald dastehen wie diejenigen, die früher einen Zusammenhang zwischen Rauchen und Lungenkrebs bestritten haben", spottete Holdren.

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