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06.07.2000

17:50 Uhr

Disney gibt Anteile ab – T-Online plant europaweiten Einsatz

Infoseek geht nach dem Ausstieg von Disney zu 50 Prozent an T-Online

VonKristina Greene und Julius Endert

Der US-Medienkonzern Walt Disney hat seinen 25 %-Anteil an der deutschen Internet-Suchmaschine Infoseek verkauft. Nun kann er mit seinem Portal „go.com“ nach Europa expandieren.

HB DÜSSELDORF. Der US-Medienkonzern Disney gibt seine Anteile an der deutschen Web-Suchmaschine Infoseek an die Telekom-Tochter T-Online ab. Das bestätigte Konstantin Urban, Vorstand der Holtzbrinck Networxs AG, gegenüber Handelsblatt.com.



"Wir sehen die Trennung positiv", kommentiert Urban die Entwicklung. Die Networxs AG ist ebenso wie T-Online, der Axel Springer Verlag und Disney zu 25 Prozent an dem Internetdienstleister beteiligt. Die Partner setzen die Suchfunktionen auf ihren jeweiligen Seiten ein, beispielsweise auf den Seiten der Wirtschaftswoche oder dem Internet-Portal von T-Online.



Unter den bei der IVW (Informationsgemeinschaft zur Festellung der Verbreitung von Werbeträgern) angemeldeten Suchmaschinen und Web-Katalogen lag Infoseek im Mai mit 51,35 Millionen Page-Impressions auf dem zweiten Rang hinter der Fireball, der von Gruner + Jahr betriebenen Suchmaschine, mit 66,49 Millionen Page Impressions.

Einvernehmliche Trennung

Die Trennung sei in beiderseitigem Einvernehmen erfolgt, erklärt Urban. T-Online habe jedoch die Bedingung gestellt, die frei werdenden Anteile übernehmen zu können. Mit der Auflösung dieses Joint-Ventures haben die ehemaligen Partner nun freie Hand in der Gestaltung ihrer jeweiligen Internet-Strategien. "Infoseek wird nun zur Hauptsuchmaschine auf den Internetseiten von T-Online ausgebaut", erläutert der Networxs-Vorstand das weitere Vorgehen. Bislang kamen schon 70 bis 80 Prozent des Infoseek-Nutzer von den Seiten des T-Online-Angebots.



Der Ausbau von Infoseek soll auf zwei Ebenen erfolgen. Zunächst soll massiv in die technische Weiterentwicklung investiert werden. Die Informationsflut im Internet hat längst intelligentere Suchmaschinen erforderlich gemacht, als die zurzeit verfügbaren. Hier will Infoseek ansetzen. Über den Einsatz von neuronalen Netzen und künstlicher Intelligenz soll dem Nutzer zukünftig das Auffinden von Informationen wesentlich erleichtert werden. Außerdem soll der Einsatzbereich der Suchmaschine auch in Firmenintranets ausgeweitet werden.

Europaweiter Einsatz von Infoseek

Darüber hinaus soll Infoseek zukünftig mit dem zukünftigen Mehrheitsgesellschafter europaweit expandieren. Am kommenden Dienstag wollen die Gesellschafter den neuen Businessplan beraten. "Ein Börsengang ist nicht ausgeschlossen", sagt Netwoxs-Vorstand Urban.



Auch für Disney ist die friedliche Trennung sinnvoll. In welche Richtung die Strategie des US-Konzerns für Europa gehen könnte, macht bereits die Strategie für den Heimatmarkt deutlich. In den USA hatte Disney zunächst die Mehrheit an Infoseek übernommen und Anfang 1999 in das neue "Go-Network" eingegliedert. Aktuell steht das Portal "go.com" mit wöchentlich rund 4,5 Millionen Nutzern auf Platz 5 der Beliebtheitsskala in den USA. Zur Zielgruppe gehören hauptsächlich Familien und Kinder.



Mit der Trennung von seinen deutschen Partnern ist Disney nun in der Lage, mit seinem GO-Network nach Europa zu expandieren. Bislang ist Disney über seine Beteiligung an RTL II in diesem Bereich nur schwach vertreten. Sollte die europäischen Disney-Strategie jedoch nicht forciert werden, sehen Analysten dies als Belastung für den Konzern. Katherine Styponais, Analystin bei Prudential Securities in New York, sieht jedoch keine direkten Auswirkungen auf den Börsenkurs.

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