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12.07.2000

10:45 Uhr

Berlin Reuters. Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) bleibt mit seinen Erwartungen für das Wirtschaftswachstum in Deutschland weiter vorsichtig. Zwar erhöhte das Institut am Mittwoch seine Wachstumsprognose für dieses Jahr um 0,3 Punkte auf 2,7 Prozent. In ihrem Gemeinschaftsgutachten im Frühling waren die führenden Wirtschaftsforschungsinstitute, zu denen das DIW gehört, jedoch von einem Plus von je 2,8 Prozent für 2000 und 2001 ausgegangen. Die Bundesregierung rechnet in diesem und im kommenden Jahr mit einem Wachstum von 2,75 Prozent. Für nächstes Jahr erwartet das DIW nun sogar nur ein Wirtschaftswachstum von 2,6 Prozent. Das DIW erklärte, die deutsche Wirtschaft befinde sich in einem kräftigen Aufschwung. Getragen werde die Konjunktur von einer boomenden Auslandsnachfrage. Die guten Absatzchancen im Ausland belebten die Investitionstätigkeit im Inland. Zudem festige der Abbau der Arbeitslosigkeit den privaten Verbrauch. Dennoch bestehe eine "riskante Schieflage" zwischen der binnen- und außenwirtschaftlichen Entwicklung. So werde sich das Wachstum in den USA abschwächen, was zu einem niedrigeren Dollar-Kurs und damit zu einer Belastung der Exportwirtschaft führen werde. Im Idealfall werde dieser Tempoabfall zwar von der Binnenwirtschaft aufgefangen. Damit sei in Deutschland aber nur begrenzt und im übrigen Euro-Raum überhaupt nicht zu rechnen. Nach Ansicht der Berliner Wirtschaftsforscher wird sich die Zahl der Erwerbstätigen bis Ende 2001 gegenüber Ende 1999 um 550.000 erhöhen. Die Zahl der Arbeitslosen gehe im gleichen Zeitraum saisonbereinigt auf knapp 3,5 Millionen zurück. Kritik übte das DIW am Kurs der Europäischen Zentralbank. Obwohl die Beschleunigung der Konjunktur im Euro-Raum erst in der zweiten Hälfte 1999 eingesetzt habe, die Lohnentwicklung nach wie vor stabilitätsorientiert und die Preisstabilität gewahrt sei, habe die Geldpolitik wieder einen Restriktionskurs eingeschlagen. Die Wirkung dieser Kursänderung werde im nächsten Jahr zu spüren sein, zumal sie dann mit der Abschwächung der Exportkonjunktur zusammentreffe, prognostizierte das DIW. Damit werde sich unter den gegenwärtigen Rahmenbedingungen das Wachstum im Euro-Raum spürbar verlangsamen. Der Tempoabfall in Deutschland werde aber im Vergleich mit den anderen Euro-Ländern geringer sein, weil die geplante Steuerreform die Binnennachfrage stärken werde. Sollte die Reform allerdings scheitern, dürfte das Wachstum um 0,5 Prozentpunkte absinken. Bei der Teuerungsrate erwartet das DIW für das laufenden Jahr einen Anstieg um 1,5 Prozent, 2001 werde die Preissteigerung 1,2 Prozent betragen.

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