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13.02.2001

21:10 Uhr

Dollar gestützt

Euro fällt nach Rede Greenspans zurück

Der Euro hat am Dienstag mit Kursverlusten auf die Rede von US-Notenbank-Chef Alan Greenspan vor dem Bankenausschuss des Senats in Washington reagiert.

Reuters FRANKFURT. Händlern zufolge interpretierten die Marktteilnehmer die Äußerungen Greenspans dahin gehend, dass keine unmittelbare Gefahr einer Rezession bestehe. Vielmehr habe der Fed-Chef von einer Verlangsamung gesprochen und die Tür für weitere US-Zinssenkungen offen gelassen. Dies habe den $ gestützt und den Euro geschwächt. Die US-Währung habe zudem von Äußerungen des US-Finanzministers Paul O'Neill zu den Wirtschaftsaussichten in den USA profitiert. Bereits zuvor hatten ein unerwartet starker Einzelhandelsumsatz in den USA und schwache deutsche Konjunkturdaten den Euro gedrückt.

Gegen 18.30 Uhr MEZ notierte der Euro mit 0,9180/83 $, nachdem die Europäische Zentralbank (EZB) den Referenzkurs am Mittag in Frankfurt mit 0,9275 $ ermittelt hatte. Zum Yen fiel die Gemeinschaftswährung unter die marke von 108 Yen und kostete 107,91/108,08 Yen. Die japanische Währung selbst blieb durch die anhaltenden Konjunktursorgen in Japan belastet. Die US-Valuta notierte mit 117,30/35 nach eienr New Yorker Eröffnung mit 117,08/16 Yen.

Greenspan hatte gesagt, er rechne für 2001 damit, dass sich die Wirtschaft "substanziell abschwächen" werde. Auch werde der Übergang vom hohen Wachstum der vergangenen Jahre zu einer sich schwächer entwickelnden Wirtschaft unter Umständen nicht reibungslos verlaufen. Der schnelle und deutliche Rückgang des Wachstums habe die Fed gezwungen, aggressiver zu handeln, als bei Konjunkturabschwächungen in der Vergangenheit. Im Januar hatte die Notenbank den Schlüsselzins in zwei Schritten um insgesamt 100 Basispunkte auf jetzt 5,50 % abgesenkt.



Inflationsrisko nicht größer geworden

Durch die Zinssenkungen sei das Inflationsrisiko in den USA nicht größer geworden, sagte Greenspan. Analysten werteten die Aussagen des Fed-Chefs übereinstimmend als Signal für weitere Zinssenkungen der Notenbank. Händlern zufolge ist nach den Äußerungen Greenspans am Markt die Überzeugung gewachsen, dass die Fed ihren Zielsatz für Tagesgeld beim nächsten Treffen ihres für die Geldpolitik verantwortlichen Offenmarktausschusses (FOMC) am 20. März um mindestens 25 Basispunkte senken und diesen Satz bis zum Sommer auf 5,00 % reduzieren werde.

In seiner Rede vor dem Haushaltsausschuss des US-Senats im Januar hatte Greenspan von einer "sehr dramatischen" Abkühlung der Konjunktur und sogar von einem möglichen Null-Wachstum in den USA gesprochen. An den Finanzmärkten beiderseits des Atlantiks hatten diese Äußerungen heftige Reaktionen ausgelöst.

Händlern zufolge sorgten auch die Äußerungen von US-Finanzminister O'Neill für Druck auf den Euro. Der Minister hatte gesagt, ein langfristiges Wachstum von vier Prozent sei ohne Inflationsgefahren und bei hoher Beschäftigung möglich. "Die Anzeichen einer Wachstumsverlangsamung in den USA machen Steuersenkungen noch zwingender nötig", sagte O'Neill. US-Präsident George Bush will die Steuern in den USA innerhalb der kommenden zehn Jahre um insgesamt 1,6 Billionen $ senken.

Schwache deutsche Konjunkturdaten

Gegen den Euro wirkten Händlern zufolge auch die überraschend starken amerikanischen Einzelhandelsumsätze sowie die schwachen deutschen Konjunkturdaten. Das US-Handelsministerium hatte berichtet, die US-Einzelhandelsfirmen hätten im Januar 0,7 % mehr als im Vormonat umgesetzt. Ohne den Autoabsatz habe sich ein Plus von 0,8 % ergeben. Von Reuters befragte Volkswirte hatten dagegen nur einen Anstieg um 0,6 % erwartet. Ohne den Automobilsektor prognostizierten sie einen Anstieg um 0,4 %. Zahlen des Statistischen Bundesamtes zufolge sanken die Umsätze des deutschen Einzelhandels im Dezember 2000 real um 2,9 % zum Vorjahr und 0,8 % zum Vormonat. Analysten hatten mit einem Rückgang um 0,4 % gerechnet. Auch die kurz darauf vom Bundesamt veröffentlichten Handelsbilanzzahlen deuteten Volkswirten zufolge auf eine sinkende Wirtschaftsaktivität hin. Der Handelsüberschuss sank im Dezember 2000 auf 2,1 nach 8,9 Mrd. DM im Vormonat. Zugleich weitete sich das Leistungsbilanzdefizit auf 15,3 (4,9) Mrd. DM aus. Die Ausfuhren erhöhten sich im Dezember zum Vorjahr um 11,6 % und die Einfuhren um 23,3 % .

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