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28.01.2003

07:27 Uhr

Dollar-Kurs und Ölpreise sind die deutlichsten Indikatoren der aktuellen politischen und wirtschaftlichen Unsicherheit

Wall Street erwartet keine Zinsänderung

VonTorsten Riecke

Die US-Notenbank Fed bleibt angesichts der unsicheren politischen Lage in Wartestellung. Je nach Ausgang des Irak-Konflikts sind nach Ansicht der Experten in den kommenden Monaten sowohl Zinssenkungen als auch Zinserhöhungen möglich. In dieser Woche allerdings rechnet noch niemand mit einer solchen Entscheidung.

NEW YORK. An der Wall Street wird trotz der Irakkrise nicht mit einer Zinssenkung der US-Notenbank Federal Reserve (Fed) in dieser Woche gerechnet. Nach übereinstimmenden Umfragen der Nachrichtenagenturen Reuters und Bloomberg erwarten alle großen US-Banken, dass die Fed die Leitzinsen in den USA unverändert bei 1,25% belassen wird. Die Notenbank gibt morgen ihre Entscheidung bekannt.

Uneinig sind sich die Experten allerdings darüber, ob die Fed ihre Einschätzung der Konjunktur ändern wird. Eine Minderheit von vier Instituten sagt voraus, dass die Notenbank jetzt größere Risiken für das Wachstum als für die Preisstabilität sieht. Seit November 2002 hält die Fed die Risiken für ausgeglichen. "Wie rechnen damit, dass die Arbeitslosenquote auf 6,5% ansteigt", sagte Kevin Logan, Ökonom bei der Dresdner Bank in New York der Agentur Bloomberg. Die Dresdner gehört zu jenen Banken, die eine erneute Zinssenkung im März erwarten.

Als die Fed im November 2002 die Leitzinsen kräftig um 0,5 Prozentpunkte nach unten schraubte, begründete sie dies ausdrücklich mit den hohen "geopolitischen Risiken" für das Wachstum in den USA. Mit der sich täglich zuspitzenden Irak-Krise haben sich diese Risiken noch erhöht. Die damit verbundene Unsicherheit ist jedoch Gift für die US-Konjunktur. So hat sich das Konsumklima wieder eingetrübt, die Industrieproduktion ist zuletzt gesunken und auch die Handelsbilanz der Vereinigten Staaten hat sich weiter verschlechtert. In ihrem eigenen Konjunkturbericht Mitte Januar bezeichnete die Fed das Wachstum unverändert als "träge und gedämpft". Im vierten Quartal 2002 ist die US-Wirtschaft nach Voraussage von Experten nur noch um knapp 1% gewachsen.

Dass die Notenbank ihr Pulver diese Woche dennoch trocken halten wird, liegt an dem ungewissen Ausgang des Irak-Konflikts. Je nachdem, welches Kriegsszenario unterstellt wird, weichen die wirtschaftlichen Folgen erheblich voneinander ab. Ein schnelles und für die USA erfolgreiches Ende könnte den Konjunkturmotor nach Meinung vieler Ökonomen durchstarten lassen. James Glassman von der US-Bank JP Morgan Chase erwartet, dass sich das Wirtschaftswachstum mit Hilfe der von Präsident Bush geplanten Steuersenkungen "beschleunigen wird". Er rechnet mit einem Zuwachs von 3,5% in diesem Jahr.

Fed-Chairman Alan Greenspan hält nach einem Bericht des Wall Streeet Journal die staatliche Anschubhilfe gar für überflüssig und erwartet von Bushs Steuerplänen ohnehin keine kurzfristige Wirkung auf die Wirtschaft.

Vor diesem Hintergrund rechnet eine Mehrheit der führenden US-Banken damit, dass die Notenbank ihre Zinszügel in der zweiten Jahreshälfte wieder anziehen wird. Allerdings, sagt Peter Hooper, Chefökonom bei der Deutschen Bank in New York, hänge der Kurs der US-Geldpolitik entscheidend vom Ausgang des Irak-Konflikts ab. "Wenn der Krieg lange dauert, ist auch eine weitere Zinssenkung nicht auszuschließen." An den Terminmärkten ist die Wahrscheinlichkeit für eine Zinslockerung im März oder Mai auf 40 % bzw. 60 % gestiegen.

Der Wechselkurs des US-Dollar und der Ölpreis spiegeln die wirtschaftliche Unsicherheit im Hinblick auf den Irak-Konflikt besonders deutlich. Mit jeder neuen Schreckensnachricht aus dem Mittleren Osten verliert die US-Währung vor allem gegenüber dem Euro an Boden. "Ein schneller Sieg der USA könnte jedoch zu einem kurzzeitigen Comeback des Dollars führen", sagt Hooper. Langfristig erwartet er jedoch wegen des hohen Leistungsbilanzdefizits der USA eine weitere Abschwächung des Greenback.

Ähnlich beim Ölmarkt: Verläuft für die USA alles nach Plan, sagt Edward Silliere, Ölhändler bei Energy-Merchant in New York, einen starken Preisverfall für Öl voraus. Andernfalls hält er einen Ölpreisschock von bis mehr als 50 US-Dollar je Barrel für möglich.

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