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19.03.2003

15:40 Uhr

Dramatischer Einbruch - Aussteller zufrieden

Der CeBIT laufen die Besucher weg

Die weltgrößte Computermesse CeBIT hat auf Grund der Irak-Krise einen herben Besuchereinbruch erlitten. Dennoch zeigten sich viele Aussteller zum Abschluss am Mittwoch wegen guter Geschäftsabschlüsse sehr zufrieden. Einige Aussteller sahen für die Informations- und Telekommunikationstechnik bereits wieder einen Silberstreif am Horizont. Gedämpft wird die Stimmung durch den drohenden Krieg in Irak.

Foto: dpa

Reuters HANNOVER. Mit einem Rückgang um 17 Prozent auf 560 000 Besucher fiel der Andrang nach Messeangaben auf das Niveau der CeBIT von 1990 und blieb noch deutlich unter den bereits zurückhaltenden Erwartungen der Deutschen Messe AG von etwa 600 000. Im vorigen Jahr war die Besucherzahl erstmals in der Geschichte der CeBIT zurückgegangen, auf 674 000 von zuvor fast 840 000. Damit verlor die CeBIT binnen zwei Jahren ein Drittel ihrer Besucher.

Als Hauptgrund für den erneuten unerwartet starken Einbruch nannte Messe-Vorstand Ernst Raue in der Schlussbilanz das Fernbleiben von Geschäftsleuten aus Asien und den USA. "Der Besuch aus den USA und Asien ist angesichts des sich zuspitzenden Irak-Konfliktes deutlich eingebrochen", sagte Raue. Allein die Besucherzahl aus den USA habe sich auf 4500 halbiert.

Deutlich mehr Geschäftsabschlüsse

Auf Seiten der etwa 6600 Aussteller fiel die Bilanz trotz des Besucherschwundes überwiegend positiv aus. Mehr als 43 Prozent der Besucher seien mit konkreten Investitionsabsichten zur CeBIT gekommen, teilte die Messe AG mit. Dies habe sich auch in der Zahl von Geschäftsabschlüssen niedergeschlagen, die um zehn Prozent über dem Vorjahresniveau gelegen habe.

Der Siemens-Konzern berichtete von zahlreichen Abschlüssen bis hin zu Großaufträgen im zweistelligen Millionen Euro-Bereich. "Wir sind hochzufrieden. Unser Verkaufsleiter spricht schon von einem Silberstreif am Horizont", sagte eine Sprecherin am Gemeinschaftsstand von Siemens Mobilfunk und Siemens Netzwerktechnik (ICN). Auch andere Aussteller schrieben eigenen Angaben zufolge Millionen-Aufträge, darunter der IBM-Konzern. Vor allem im Mittelstand gebe es zahlreiche Pläne für Investitionen in neue Technologien. Optimismus verspürte auch die Deutsche Telekom. "Die Unternehmen fangen wieder an, konkrete Dinge zu planen", sagte ein Sprecher.

Der Branchenverband Bitkom ermittelte in einer Messeumfrage, dass viele Besucher Investitionspläne bereits für die kommenden drei Monate präsentiert hätten. Größtes Investitionshemmnis sei derzeit wohl die weltpolitische Lage. "Ohne die Irak-Krise würden wir wesentlich optimistischer nach vorne schauen, sagte Bitkom-Geschäftsführer Bernhard Rohleder.

UMTS und WLAN zentrale Themen

Zentrale Themen der diesjährigen CeBIT waren der neue Mobilfunkstandard UMTS, der nach einiger Verzögerung nun in der zweiten Hälfte dieses Jahres eingeführt werden soll, sowie der drahtlose Internetzugang per Funknetzwerk (Wireless LAN). In beide Entwicklungen setzt die Branche große Hoffnungen. Mit rund 6600 Ausstellern fiel die diesjährige CeBIT fast 20 Prozent kleiner aus als im vorigen Jahr, als 7900 Aussteller gemeldet wurden. Neben der Irak-Krise wurde die High-Tech-Messe auch von der nach wie vor schwachen weltweiten Konjunktur mit besonderen Problemen in Deutschland geprägt.

Die Prognose für die Computer- und Telekommunikationsbranche fiel für 2003 entsprechend zurückhaltend aus. In Deutschland rechnet der Branchenverband Bitkom erst 2004 wieder mit einem spürbaren Wachstum. Für 2003 erwartet Bitkom auch nach der CeBIT nur ein leichtes Plus von einem halben Prozent Wachstum und schließt einen weiteren Stellenabbau in der Branche nicht aus.

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