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23.01.2002

19:00 Uhr

Drastischer Personalabbau drückt Kosten

Merrill Lynch rutscht in Verlustzone

VonGertrud Hussla

Trotz Milliardenverlusten ist die amerikanische Investmentbank Merrill Lynch zuversichtlich. Die drastischen Stellenkürzungen belasten das Ergebnis des weltgrößten Broker-Hauses. Im vergangenen Jahr gewann die Wall-Street-Firma Marktanteile. Analysten sind positiv gestimmt.

HB NEW YORK. Die Investmentbank Merrill Lynch verzeichnet erstmals seit der Asienkrise von 1998 einen Verlust. Der Einbruch stammt hauptsächlich aus Sonderausgaben in Höhe von 1,7 Mrd. $, welche Merrill durch den Abbau weiterer 9 000 Stellen entstehen. Doch auch ohne den Einmal-Posten ist der Quartalsgewinn stark eingebrochen. Die Aussichten hätten sich aber bereits verbessert, betont das Management.

Das weltweit größte Brokerhaus litt unter dem schwachen Investmentbanking-Geschäft und sinkenden Einnahmen in der Vermögensverwaltung und Betreuung wohlhabender Kunden. Als Antwort auf das schwierige Umfeld hat Merrill sich schlanker geschrumpft und es geschafft, den Personalkostenanteil an den Einnahmen auf weniger als die Hälfte zu drücken. Die Vorstände David Komansky und Stanley O?Neal sind optimistisch: "Die unternommenen Schritte erlauben es Merrill Lynch, kräftig von einer Verbesserung des Markt-Umfelds zu profitieren." Die Auftragslage im Investmentbanking sei um 20 % besser als vor einem Jahr.

Die Quartalszahlen des Broker-Hauses zeigen, wie stark die auf Beratungs-Dienste bei Fusionen und Emissionen spezialisierten Investmentbanken von den Kapitalmärkten abhängig sind. Die Wall Street Firmen konnten anders als viele Geschäftsbanken nicht von niedrigeren Zinsen profitieren und so Verluste im Investmentbanking und Privatkunden-Bereich ausgleichen.

Gegenüber dem Vorjahresquartal sanken Merrill?s Einnahmen im abgelaufenen Quartal um 24 % auf 4,8 Mrd. $. Ohne Sonderposten schrumpfte der Quartalsgewinn um 44 % auf 491 Mill. $ oder 48 Cents je Aktie. Dies entsprach den Erwartungen der Analysten. Einmalposten eingeschlossen, entstand ein Verlust von 1,26 Mrd. $ gegenüber einem Gewinn von 877 Mill. $ im Vorjahreszeitraum.

Die Einnahmen schrumpften im Vergleich zum vierten Quartal 2000 erneut quer durch alle Bereiche: Investmentbanking-Bereich (-36 %), Vermögensberatung wohlhabender Privatkunden (-12 %) und Vermögensverwaltung (-22 %). Der neue Schwerpunkt in der Vermögensberatung und-verwaltung schützt damit nicht vor den Schwankungen der Aktienmärkte. Denn der Wert der verwalteten Vermögen sinkt mit rückläufigen Kursen. Damit schwinden die auf den Vermögenswert bezogenen Gebühren.

Auf Grund hoher Stellenstreichungen und gekappter Bonuszahlungen gelang es, die Personalausgaben gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 27 % zu drücken. Die Personalkostenspanne, die Gehälter in Beziehung zu Einnahmen setzt, beträgt jetzt 48 %. Konkurrenten sehen weiter besser aus; so kommt Morgan Stanley auf eine Personalkostenspanne von rund 30 %.

Investoren sind trotz des Geschäftseinbruchs schon wieder positiv gestimmt. "Brokerfirmen sind zyklisch und werden von der Erholung besonders stark profitieren", meint Fonds-Manager Ed Larsen von der AM Capital Management Vermögensverwaltung. Wertpapieranalyst David Trone von Prudential Financial beobachtet, dass Merrill nicht schlecht gerüstet ist: "Sowohl in der Fusionsberatung als auch im Aktien-Emissions-Geschäft hat Merrill weltweit Marktanteile gewonnen". Der Aktienkurs ist seit September von 33,5 auf 55 $ gestiegen. Nach Bekanntwerden der Zahlen veränderte er sich kaum.

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