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13.01.2002

19:00 Uhr

Drastischer Stellenabbau

Notprogramm soll Ford in den USA retten

Der US-Automobilkonzern Ford steht vor einem der härtesten Einschnitte in seiner Unternehmensgeschichte. Weil Ford auf seinem Heimatmarkt immer weniger Autos verkauft, sollen bis zur Mitte des Jahrzehnts mindestens fünf Fabriken geschlossen werden. In Nordamerika müssen voraussichtlich 22 000 Beschäftigte gehen.

zel/kk DETROIT/NEW YORK. Für den Ford-Konzern brechen in den USA schwere Zeiten an. Die neue Führung mit Ford-Enkel Bill Ford und dem früheren Europa-Chef Nick Scheele reißt das Steuer herum und leitet drastische Maßnahmen zur Kostensenkung ein. "Wir werden dieses Unternehmen wieder nach vorne bringen", versprach in Detroit zum Wochenschluss Bill Ford, Urenkel von Firmengründer Henry Ford und seit Oktober erster Mann im Management beim zweitgrößten amerikanischen Autohersteller.

Viele US-Kunden haben das Vertrauen in die Marke Ford verloren. Dafür sorgte im vergangenen Jahr vor allem die hohe Zahl von Rückrufen bedingt durch niedrige Qualität. Auf dem US-Heimatmarkt sank im Jahr 2001 die Zahl der Ford-Verkäufe um mehr als 5 % auf 3,96 Millionen Autos. Der Marktanteil fiel nach Angaben der amerikanischen Statistiker von Autodata um einen Punkt auf 23,1 %.

Ein Notprogramm mit dem Namen "Corporate Revitalization Plan" soll den US-Konzern nun aus den roten Zahlen herausholen. "Mitte der laufenden Dekade"- konkreter wollte sich Bill Ford nicht festlegen - soll die Restrukturierung abgeschlossen sein und für eine jährliche Ergebnisverbesserung von 9 Mrd. $ sorgen. Bill Ford verzichtet in dieser Zeit auf sein Gehalt. Im Jahr 2001 lag der Konzernverlust bei 2 Mrd. $.

Fünf Werke werden in den kommenden Jahren geschlossen

Von ihren Mitarbeitern verlangt die Ford-Führung die härtesten Einschnitte. Das Unternehmen schätzt die eigenen Überkapazitäten in der Produktion auf fast eine Million Autos. Deshalb sollen in den nächsten Jahren mindestens fünf Werke in Nordamerika geschlossen werden. Ford-Präsident Nick Scheele deutete an, dass zusätzlich zwei weitere Fabriken geschlossen werden, weil es für sie keine neuen Produkte mehr geben werde. Der frühere Chef des europäischen Konzernteils nimmt eine Schlüsselrolle in der US-Restrukturierung ein.

Scheele sagte, dass in Nordamerika voraussichtlich bis zu 22 000 Arbeitsplätze wegfallen werden. Mit anderen, bereits vor einem Jahr eingeleiteten Kürzungsprogrammen summiert sich die Zahl der wegfallenden Stellen weltweit auf 35 000 - etwa 10 % der aktuellen Belegschaft. In diesem Jahr müssen in den USA etwa 13 000 Mitarbeiter gehen. Die Kosten der Restrukturierung beziffert Ford auf mehr als 5 Mrd. $. Diese Summe soll noch im vierten Quartal des vergangenen Jahres verbucht werden. Die genauen Daten werden am Donnerstag dieser Woche veröffentlicht.

Ford Europa wird von den Plänen nicht betroffen sein. "Europa ist vielmehr ein Beispiel dafür, was wir in den USA zu tun haben", betonte Scheele. Der 58-jährige Brite, der im vergangenen Jahr noch selbst die europäische Restrukturierung geleitet hatte und im Sommer nach Detroit gekommen war, gilt als Vordenker der geglückten Sanierung in Europa. Die europäische Zentrale in Köln wird für 2001 erstmals wieder einen kleinen Gewinn ausweisen, in 2002 werden es mehrere 100 Mill. $ sein. Weitere Kölner Ford-Manager werden nicht in die USA wechseln. "Das ist nicht geplant", sagte Scheele dem Handelsblatt.

Die amerikanischen Finanzmärkte reagierten positiv auf die Ford-Pläne: An der Wall Street in New York stieg der Kurs der Ford-Aktie um 1,3 % auf 15,50 $. Allerdings herrscht Skepsis darüber, ob Scheele auch in den USA Erfolg haben wird. Saul Rubin, Autoanalyst bei UBS Warburg, rät zum Verkauf des Ford-Papiers. "Ford wird in den nächsten Jahren einer der schwächeren Spieler sein", begründete er seine Empfehlung. Standard & Poor?s schloss eine Herabsetzung nicht aus. Die Rating-Agentur Fitch hat den US-Autokonzern sofort nach der Bekanntgabe seiner Pläne herabgestuft.

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