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29.01.2004

11:55 Uhr

Drehbuch für Abwerbungen

Das Auf und Ab einer schillernden Profession

VonMichael Maisch

Mit üppigen Prämien und teuren Reisen werden leidgeprüfte Investmentbanker wieder umworben. Ein Streifzug durch die Frankfurter Szene.

FRANKFURT. „Krise, welche Krise?“ Das Grinsen des jungen Bankers zieht sich von Ohr zu Ohr. Der schlanke, groß gewachsene Mann fläzt sich in den weißen Ledersessel einer Frankfurter Szenebar, nippt an seinem Milchkaffee und strahlt so viel Zufriedenheit aus, dass es fast schon unverschämt wirkt. „Gute Leute können sich ihren Arbeitgeber im Moment fast aussuchen“, erzählt er. Die braunen Augen blitzen auf, als er zum entscheidenden Punkt kommt, „Wenn es so gut läuft wie jetzt, dann muss man eigentlich sofort den Job wechseln, nur so treibt man seinen Marktwert nach oben.“ Und genau das hat er vor. Verhandlungen mit einer angelsächsischen Bank laufen bereits, sobald der Bonusscheck für das vergangene Jahr auf dem Konto ist, will er seinem Chef die Kündigung auf den Tisch knallen.

Der junge Mann verdient sein Geld für eine deutsche Bank in London im Derivategeschäft. Und wenn man ihm zuhört, könnte man meinen, die Krise im Investment-Banking habe nie stattgefunden – die Entlassungswellen, die Hunderttausende Jobs gekostet haben, seien nur ein schlechter Traum gewesen.

Vorwärts in die Vergangenheit, scheint die neue Devise in der leidgeprüften Branche zu lauten. Kaum springt das Geschäft an, fließen schon wieder Millionengagen, reißen sich die Banken schon wieder um junge, begabte Kräfte. Gefragt sind vor allem Banker, die sich mit dem Anleihegeschäft und Derivaten auskennen, den Bereichen, in denen die Banken im vergangenen Jahr jede Menge Geld gescheffelt haben. Dagegen bleiben die einstigen Königsdisziplinen Börsengänge und Fusionen die Sorgenkinder der Branche. Trotz der Ankündigung milliardenschwerer Börsengänge und spektakulärer Übernahmekämpfe wie zwischen Sanofi und Aventis bauen die Geldhäuser ihre Kapazitäten in diesen Bereichen nur sehr vorsichtig aus. „Wenn es um Personal geht, agieren die Geldhäuser extrem zyklisch“, erzählt ein Investmentbanker. „Das ist wie Bulimie, erst stopft man sich voll, dann übergibt man sich, und dann geht es wieder von vorne los.“

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