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12.07.2000

18:28 Uhr

Dreitägige Deutschland-Visite beendet - Rau sieht Wendepunkt in den Beziehungen

Chatami bittet um Hilfe für seinen Reformkurs in Iran

Polizei zieht positive Bilanz

ap WEIMAR. Der iranische Staatspräsident Mohammed Chatami hat die Deutschen um Unterstützung seines Reformkurses in Iran gebeten. Zum Abschluss seiner Deutschlandvisite erklärte er am Mittwoch in Weimar, Deutschland sei auf Grund seiner Geistesgeschichte besonders geeignet, in den Dialog mit Iran einzutreten. Bundespräsident Johannes Rau bezeichnete den ersten Staatsbesuch eines iranischen Präsidenten in Deutschland seit 1967 als Wendepunkt in den Beziehungen beider Länder.

Chatami sagte, die deutsche Philosophie habe mit ihrem stets kritischen Ansatz nicht nur die Tradition, sondern immer auch die Moderne hinterfragt: "Diese Ansätze und Erfahrungen können für die heutige Welt wegbereitend sein, denn wir können uns weder der Tradition noch der Moderne unterwerfen, aber auch nicht die eine der anderen opfern." Reformen in Iran seien "Bestrebungen nach der Verwirklichung der Freiheit, Gerechtigkeit und Volksherrschaft im Einklang mit der Religion", sagte Chatami und fügte hinzu: "Bei diesem Experiment brauchen wir die Zusammenarbeit aller Denker und Gesellschaften, die den Dialog und die Verständigung suchen." Rau äußerte die Hoffnung, dass Chatamis Besuch "unsere Völker näher zueinander bringt."

Zuvor hatten beide Präsidenten ein Denkmal eingeweiht, das den Dichterfürsten Hafis und Goethe gewidmet ist. Bei dessen Enthüllung bezeichnete Chatami die Zwiesprache zwischen Goethe und Hafis als ein "schönes Beispiel des Umgangs zwischen Ost und West". Rau sagte: "Ich betrachte das Denkmal als Aufforderung, den Dialog wieder aufzunehmen. Lassen Sie uns das Gespräch im Geiste von Hafis und Goethe führen." Das Denkmal soll die enge Geistesverwandtschaft zwischen Johann Wolfgang Goethe und dem persischen Nationaldichter Hafis über zeitliche, räumliche und religiöse Grenzen hinweg symbolisieren. Goethe war von dem im 14. Jahrhundert lebenden Hafis zu seiner Gedichtsammlung "West-östlicher Divan" inspiriert worden.

Am Vormittag hatte Chatami das Goethehaus besichtigt und Ministerpräsident Bernhard Vogel getroffen. Beim gemeinsamen Mittagessen beglückwünschte der CDU-Politiker den Staatsgast zu den von ihm angestoßenen Reformen in Iran, betonte aber zugleich die Bedeutung der Menschenrechte. Bereits am Dienstagabend hatten Deutschland und Iran die Weichen für eine Entwicklungszusammenarbeit gestellt, die den demokratischen Reformkurs in Teheran unterstützen soll.

Die Berliner Polizei zog derweil eine positive Bilanz ihres Einsatzes während des Staatsbesuchs. Der iranische Präsident trat am späten Mittwochnachmittag von Erfurt aus den Rückflug in seine Heimat an.

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