Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

26.07.2000

19:27 Uhr

Dresdner und Commerzbank geben sich selbstbewusst

Banken vertrauen auf eigene Kraft

Die Chefs von Dresdner Bank und Commerzbank wollen nach dem Scheitern der Fusionsgespräche an ihren Konzepten aus der Vergangenheit festhalten. Eine grundsätzliche Neuorientierung ist zunächst nicht angedacht. Die Börse reagierte auf die Nachricht mit Kursabschlägen.

kr/stk FRANKFURT/M. Die Dresdner Bank setzt nach dem Scheitern der Fusionsgespräche mit der Commerzbank unverändert auf ihr Konzept einer "fokussierten europäischen Beraterbank", das gleichbedeutend ist mit einem Abschied vom herkömmlichen Modell einer Universalbank. Die Umsetzung der auf der Hauptversammlung am 19. Mai verkündeten Strategie sei bereits weit vorangeschritten. Als Beispiel nannte Dresdner-Chef Bernd Fahrholz die Schaffung von weitgehend selbständigen Unternehmensbereichen. Bis Jahresende will die Bank 50 von insgesamt 300 Filialen, die innerhalb der kommenden drei Jahren aufgegeben werden sollen, schließen. Er habe den Eindruck, dass das Konzept gut aufgenommen werde, sagte Fahrholz vor Journalisten.

Unter Hinweis auf die Steuerreform kündigte er an, die Industriebeteiligungen forciert abzubauen. Man werde das Geld zur Finanzierung der Investitionen in das Kerngeschäft der Bank verwenden. Alleine das Strategiekonzept sieht für drei Jahre ein Investitionsvolumen von 3,5 Mrd. Euro vor.

"Wir sind überzeugt, dass der hinter der Marktentwicklung zurück gebliebene Aktienkurs nicht gerechtfertigt ist", brachte Fahrholz seine Unzufriedenheit mit der Marktbewertung seines Instituts zum Ausdruck. An der Börse sackte die Dresdner-Aktie bis zum Nachmittag rund 2,5 % auf 46,50 Euro; die Cobank um 1 % ab. Allianz und Deutsche Bank verloren 2 %.

Interessante Gesprächsangebote anderer Institute will Fahrholz gerne prüfen; doch sieht er derzeit keine. "Wir sind nicht auf der Suche nach einem Partner", versicherte er, "haben aber den Markt generell im Auge". Mit ihrem langjährigen französischen Kooperationspartner, der Banque Nationale der Paris (BNP), führe die Dresdner keine akuten Gespräche; die BNP sei damit beschäftigt, ihre Fusion mit Paribas "zu zementieren". Eine Prognose, wie sich das Scheitern auf die Konsolidierung in der deutschen Bankenlandschaft auswirken könnte, gab Fahrholz nicht. Er sehe aber die Notwendigkeit einer Bereinigung.

Für Fahrholz wäre es ein großer Fehler gewesen, nicht auf das Gesprächsangebot einzugehen, das ihm der Cobank-Vorstand wenige Wochen nach der Hauptversammlung gemacht hat. Dies umso mehr als wesentliche Abstriche am eigenen strategischen Konzept nicht erforderlich geworden wären.

Den Abbruch der Gespräche begründete er im Detail nicht. Er wies lediglich darauf hin, dass keine Chance mehr gesehen worden sei, "die legitimen Interessen aller Beteiligten in einem gemeinsamen Konzept zusammenzuführen". Hinzu kamen offensichtlich "erhebliche Bewertungsprobleme". Die Commerzbank hatte schon vor längerem erkennen lassen, dass für sie nur eine Vereinigung unter Gleichen in Frage kommen würde; Ein Bewertungsverhältnis von 60 zu 40 war für sie völlig indiskutabel. Für die Chefs beider Banken zählte auch, dass sie einer gewissen Unruhe unter den Mitarbeitern entgegenwirken mussten.

Das Scheitern der Fusionsgespräche wurde sowohl von der Gewerkschaft Handel, Banken und Versicherungen (HBV) als auch von der Deutschen Angestellten Gewerkschaft (DAG) begrüßt. Ein Zusammenschluss, so HBV-Vorstandsmitglied Hinrich Feddersen, hätte bis zu 20 000 Arbeitsplätze bei den Geldinstituten gekostet. Aber auch ohne eine Fusion sieht die HBV weitere Arbeitsplatzrisiken.



Commerzbank-Vorstandssprecher Martin Kohlhaussen bedauerte, "dass offenbar ein wirklicher Mehrwert einer Fusion nicht zu erreichen ist und damit die Chance zu einer Konsolidierung im inländischen Bankensektor nicht realisiert werden kann." Sie will im Interesse ihrer Kunden, Aktionäre und Mitarbeiter "die ausgesprochen positive Entwicklung der letzten Jahre aus eigener Kraft und mit eigenen Mitteln vorantreiben". Nach Kohlhaussen wird sich die Cobank in erster Linie um eine Stärkung ihrer europäischen Bindungen bemühen und in ihrer Organisation Maßnahmen umsetzen, die ein schnelles Erreichen ihrer ehrgeizigen Ziele ermöglichen.



Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×