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22.03.2003

12:00 Uhr

"Dringinder Verdacht"

Nordafrikaner nach Razzia gegen Islamisten in Haft

Nach einer Razzia gegen mutmaßliche islamistische Terroristen in Berlin ist ein Nordafrikaner in Haft. Nach Angaben eines Sprechers der Bundesanwaltschaft in Karlsruhe vom Samstag hat ein Ermittlungsrichter des Bundesgerichtshofes gegen den 32-Jährigen Haftbefehl erlassen.

HB/dpa KARLSRUHE/BERLIN. Er sei dringend verdächtig, gegen das Waffengesetz verstoßen und eine falsche Urkunde gebraucht zu haben. Weitere Einzelheiten nannte er nicht. In Deutschland wächst nach Ansicht der Sicherheitsbehörden mit dem Fortgang des Irak-Kriegs die Gefahr von Anschlägen.

Fünf weitere im Zuge der Razzia am vergangenen Donnerstag vorläufig festgenommene Männer sind wieder auf freiem Fuß. Gegen sie und den Nordafrikaner werde aber weiterhin wegen des Verdachts auf Gründung einer terroristischen Vereinigung ermittelt, sagte der Sprecher. Generalbundesanwalt Kay Nehm hatte sechs Gebäude in Berlin durchsuchen lassen. Die Gruppe steht im Verdacht, Anschläge in Deutschland geplant zu haben.

Nach Informationen der "Welt am Sonntag" warnt der Auslandsgeheimdienst BND vor einem nicht kalkulierbaren Einzelrisiko durch Spontantäter. Deren Anschläge können jederzeit im In- und Ausland deutsche Staatsbürger treffen. Das Magazin "Focus" berichtet, die von Exil-Irakern in Deutschland ausgehende Gefahr sei nach Erkenntnissen des Verfassungsschutzes größer, als bislang angenommen.

Besonders gefährdet seien nach Ansicht des BND Reisende im Mittleren Osten und in Südostasien, berichtet die Zeitung. In Deutschland würden neuerdings auch so genannte weiche Ziele wie Bürogebäude und Discotheken als potenzielle Ziele gelten. Die Terrorgefahr nimmt nach Einschätzung des BND zu, sobald Bilder von toten Frauen und Kindern aus Bagdad um die Welt gehen.

Nach dem "Focus"-Bericht haben die Geheimdienste in den vergangenen Monaten "verdächtige Auffälligkeiten" bei irakischen Asylbewerbern in Deutschland festgestellt. So habe es eine verstärkte Reisetätigkeit auch nach Bagdad gegeben. Zudem sollen die Verdächtigen regelmäßig hohe Dollarbeträge von staatlichen irakischen Banken erhalten.

Bayerns Innenminister Günter Beckstein (CSU) sagte: "Wir haben deutliche Hinweise, dass es unter den in Deutschland lebenden Asylbewerbern aus dem Irak Personen gibt, die mit ausdrücklicher Zustimmung der irakischen Sicherheitsbehörden hierher gekommen sind." Das Kölner Bundesamt für Verfassungsschutz soll den Ländern eine Liste mit rund 500 Namen von Anhängern des irakischen Diktators Saddam Hussein geschickt haben, die den Irak verlassen haben.

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