Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

15.01.2003

19:00 Uhr

Dritter Wahlgang nötig

Präsidentenwahl in Tschechien weiter offen

Im Rennen um die Nachfolge von Tschechiens Präsident Vaclav Havel haben der ehemalige Ministerpräsident Vaclav Klaus und Senatspräsident Petr Pithart am Mittwoch auch im zweiten Wahlgang nicht die erforderlichen Mehrheiten in beiden Kammern des Parlaments erlangt.

Reuters PRAG. Wie aus dem Wahlkomitee verlautete, bekam Havels Erzrivale Klaus im zweiten geheimen Wahlgang im Abgeordnetenhaus die meisten der 200 Stimmen, während Pithart eine Mehrheit unter den 81 Senatsmitgliedern erreichte. Der von den Sozialdemokraten aufgestellte ehemalige Justizminister Jaroslav Bures und der Kommunist Miroslav Krizenecky schieden bereits im ersten Wahlgang aus.

Ob der dritte Wahlgang noch am Mittwoch stattfindet, sollten die beiden Kammern bis zum frühen Abend entscheiden. Beim dritten Durchgang werden die Stimmen der beiden Kammern zusammengezählt. Dennoch besteht die Möglichkeit, dass wieder kein Sieger ermittelt wird. Beobachter rechnen damit, dass Parlamentarier bewusst ungültige Stimmen abgeben könnten.

Mit Havel tritt am 2. Februar der letzte bedeutende Bürgerrechtler aus der Zeit des Kalten Krieges von der Spitze eines mitteleuropäischen Staates ab. Der frühere Dramaturg und Anführer der gewaltfreien Samtenen Revolution gegen die kommunistische Führung war Ende 1989 erstmals zum Präsidenten gewählt worden. Eine weitere Amtszeit verwehrt ihm die Verfassung.

Sollte kein Sieger ermittelt werden, könnten weitere Kandidaten sich zur Wahl stellen. Es wird erwartet, dass die Sozialdemokraten dann den ehemaligen Ministerpräsidenten Milos Zeman nominieren würden - ein weiterer Erzrivale Havels. Zemans Nominierung wäre zudem ein Affront für den sozialdemokratischen Ministerpräsidenten Vladimir Spidla und könnte die Partei spalten.

Für den Fall, dass auch der dritte Wahlgang ergebnislos verläuft, haben Delegierte mit einer Wahlgesetzänderung gedroht, um eine Direktwahl des Präsidenten zu ermöglichen. Dann könnte der Posten des hauptsächlich mit repräsentativen Aufgaben betrauten Präsidenten über Monate unbesetzt bleiben.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×