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31.01.2003

17:30 Uhr

Drohender Irak-Krieg schürt Ängste

Dax-Ausblick: Im Schatten der Politik

Weiterhin überschattet die Politik die Börse. Vor allem das Thema Irak beherrscht den Markt. Ein wichtiger Termin ist dabei der Mittwoch, denn dann wollen die USA Beweise dafür vorlegen, dass das Zweistromland sowohl Massenvernichtungswaffen besitzt als auch Terroristen unterstüzt.

vwd FRANKFURT. Bis zu diesem Termin rechnen Händler und Analysten mit einer weiter abwartenden Haltung des Marktes. UN-Chefinspekteur Hans Blix legte am Montag seinen Untersuchungsbericht vor. Er warf darin dem Irak mangelnde Kooperationsbereitschaft vor, sieht die Abrüstungsforderungen nicht wirklich akzeptiert und forderte einige Monate Zeit für zusätzliche Inspektionen.

Alles in allem schürt der als fast unvermeidlich erscheinende Irak-Krieg die Ängste und Verunsicherungen der Marktteilnehmer. Dies schlägt sich in einer wieder deutlich angestiegenen Schwankungsbreite der Indizes wieder. Der für den deutschen Markt die Volatilität erfassende VDax ist erneut auf ein historisch hohes Niveau um 50 Prozent gestiegen, gegen Ende der Woche allerdings wieder etwas abgesunken.

In Deutschland steht noch ein anderes politisches Ereignis im Blickpunkt, die Landtagswahlen in Niedersachsen und Hessen am Sonntag, den 2. Februar. Sollte dabei, wie in aktuellen Umfragen prognostiziert, die CDU in beiden Ländern gewinnen, könnte dies das Sentiment kurzfristig positiv beeinflussen. "Damit bekämen die Konservativen im Bundesrat die Mehrheit - und könnten damit die Steuerpläne der Regierungskoalition blockieren", sagt ein Händler. Doch gleichzeitig steige damit auch das Risiko, dass die Defizit-Obergrenze auch in diesem Jahr verletzt wird.

Konjunkturdaten werden kaum wahrgenommen

Fast völlig an der Wahrnehmung der Marktteilnehmer gehen derzeit Konjunkturdaten und Unternehmensberichte vorbei. So zeigte sich die Wirtschaftsstimmung in Deutschland im Januar zum ersten Mal seit acht Monaten wieder leicht verbessert. Der Ifo-Geschäftsklimaindex der gewerblichen Wirtschaft für Westdeutschland stieg von nach oben revidierten 87,3 auf 87,4 Punkte. Dies stellt jedoch noch keine Trendwende dar, sondern lediglich eine Stabilisierung auf niedrigem Niveau, da auch die jüngste Zuspitzung des Iraks-Konfliktes noch nicht in den Umfrage-Ergebnissen enthalten ist, so dass es im Februar bereits wieder zu einem Rückgang kommen könnte. Außerdem dürfte sich der schnelle Anstieg des Euro belastend auf die europäische Konjunktur auswirken.

Charttechnisch steht der Dax "kurz vorm Abgrund", meint ein Analyst. Denn bei 2597 Punkten liegt der 2002er-Tiefststand auf Schlusskursbasis. Diese Marke hat der Dax in der abgelaufenen Woche getestet, aber vorerst hielt sie. Sollte der Index diese Marke hingegen verletzten, liege die nächste Unterstützung bei 2519 Stellen, dem Verlaufstief des vergangenen Jahres. Unter diesen Marken allerdings warnen Händler vor der Möglichkeit eines "crashartigen Szenarios". Sollte es beispielsweise einen größeren Terroranschlag geben, sei ein Kursverlust von 1000 Punkten in wenigen Stunden nicht auszuschließen, heißt es. Auch fundamental sei die Aktienmarktschwäche begründbar, hätten doch die meisten Unternehmen ihre Gewinnprognosen zurückgenommen.

Kunjunktur- und Unternehmenszahlen stehen an

Auf der Konjunkturseite stehen in der kommenden Woche am Montag der US-ISM-Index des Verarbeitenden Gewerbe Januar an und am Dienstag folgt der US-Auftragseingang der Industrie Dezember. Der US-ISM-Index des Nicht-Verarbeitendes Gewerbe Januar folgt am Mittwoch, ebenso wie die deutschen Arbeitsmarktdaten für Januar.

Am Donnerstag werden die vorläufigen Daten zur US-Produktivität im vierten Quartal und die deutschen Auftragseingänge im Dezember veröffentlicht. Die Berichtssaison der Unternehmen bringt Zahlen von der Commerzbank, Daimler-Chrysler und Epcos am Dienstag und am Freitag von der Deutschen Bank. Bei der EZB-Ratssitzung am Donnerstag wird keine Zinsänderung erwartet.

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